Afghanistan: Entführung

Eine deutsche Geisel tot

Der Mann sei offenbar nicht umgebracht worden, sondern den Strapazen der Geiselhaft erlegen, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Berlin.

Kandahar/Berlin. Einer der in Afghanistan entführten Deutschen ist tot. Der Mann sei offenbar nicht umgebracht worden, sondern den Strapazen der Geiselhaft erlegen, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Samstagabend in Berlin. Die afghanische Regierung hatte zuvor mitgeteilt, eine der Geiseln habe einen Herzinfarkt erlitten. Einem Zeitungsbericht zufolge wies die Leiche der Geisel Schussverletzungen auf. Die radikalislamischen Taliban hatten am Morgen behauptet, die beiden am Mittwoch verschleppten Männer getötet zu haben. Unterdessen drohten die Taliban mit der Ermordung einer Gruppe von rund 20 entführten Südkoreanern.

Der Sprecher des afghanischen Außenministeriums, Sultan Ahmed Baheen, bezog sich bei seiner Mitteilung auf Informationen von "Sicherheitsdiensten". Demnach sei eine der beiden Geiseln einem Herzinfarkt erlegen, die andere lebe noch. Die Bemühungen um ihre Freilassung würden fortgesetzt. Steinmeier sagte, der Deutsche sei offenbar den Strapazen erlegen, "die ihm seine Entführer auferlegt haben". Nun komme es darauf an, "dass wir das Menschenmögliche und Verantwortbare tun, um das Leben der zweiten deutschen Geisel zu retten." Steinmeier zeigte sich empört darüber, dass das Schicksal der Entführten "von extremistischen Kräften in Afghanistan instrumentalisiert" werde.

Die "Bild am Sonntag" berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, der Leichnam des Bauingenieurs sei von deutschen Behörden in Afghanistan untersucht worden. Dabei seien Schussverletzungen entdeckt worden.

Taliban-Sprecher Jussuf Ahmadi hatte am Morgen mitgeteilt, die beiden Geiseln seien nach Verstreichen der gestellten Frist getötet worden. Die Taliban hatten den Abzug der deutschen Truppen aus Afghanistan und die Freilassung aller inhaftierten Kämpfer ihrer Bewegung gefordert. Die beiden Deutschen waren am Mittwoch in der Provinz Wardak verschleppt worden. Es handelt sich offenbar um Ingenieure, die nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin Mitarbeiter eines in Kabul ansässigen Unternehmens waren.

Ahmadi erklärte zudem, die fünf afghanischen Begleiter der deutschen Geiseln seien ebenfalls getötet worden. Unter ihnen befinde sich auch der Bruder des stellvertretenden Parlamentspräsidenten.

Zu den Entführern besteht einem Medienbericht zufolge offenbar Kontakt. Bei den Geiselnehmern handele es sich nicht um die Taliban, sondern um einen Stamm, berichtete "Spiegel Online" am Samstag ohne Angabe von Quellen. Dieser Stamm sympathisiere zwar mit den Taliban, gehöre aber nicht zu deren politischer Bewegung.

"Spiegel Online" nannte zudem Einzelheiten zu den beiden Entführten. Demnach stammt der Verstorbene Rüdiger B. aus Mecklenburg-Vorpommern und litt an Diabetes. Er habe einem Schwächeanfall erlitten und sei dann gestorben. Zuvor sei versucht worden, ihm über Vermittler Medikamente zukommen zu lassen, was auf einen Kontakt zu den Geiselnehmern hinweise. Bei dem zweiten Entführten, handelte es sich demnach um einen Mann namens Rudolf B.

Unterdessen drohten die Taliban mit der Ermordung der entführten Südkoreaner. Sie würden umgebracht, wenn nicht bis Sonntagabend 19.00 Uhr Ortszeit (16.30 MESZ) 23 inhaftierte Taliban von der Regierung in Kabul freigelassen würden, sagte Ahmadi. Die Koreaner waren am Donnerstag in der Provinz Ghasni, 140 Kilometer südlich von Kabul, entführt worden.

Südkoreas Präsident Roh Moo-Hyun sagte im staatlichen Fernsehen: "Die Geiselnehmer müssen die Südkoreaner unbeschadet zum frühestmöglichen Zeitpunkt freilassen." Seoul halte weiterhin Kontakt zu den Entführern und versuche, diese über andere Kanäle auszuweiten, sagte ein Mitarbeiter des südkoreanischen Außenministeriums, der nicht namentlich genannt werden wollte. Nach Regierungsangaben wurden bis zu 23 Südkoreaner, darunter 18 Frauen, verschleppt.

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