Kommentar

Der Fußball kann in der Krise Vorreiter werden

Rainer Grünberg
Rainer Grünberg ist Chefreporter Sport beim Hamburger Abendblatt.

Rainer Grünberg ist Chefreporter Sport beim Hamburger Abendblatt.

Foto: Mark Sandten / HA

Der gewährte Trainingsanfang in der Bundesliga bietet eine Chance – und ein bisschen Optimismus.

Der Ball rollt wieder in der Fußball-Bundesliga: bisher zwar nur auf dem Übungsplatz, aber die Rückkehr zum Mannschaftstraining eröffnet jetzt die Chance, dass die Saison von Anfang Mai an doch noch zu Ende gespielt werden kann. Der erste Pass in Richtung Normalität wird dennoch nicht von allen beklatscht.

Die Frage ist berechtigt: Warum wird ausgerechnet diesem aufgeblähten, nicht systemrelevanten Unterhaltungsbetrieb ein Sonderweg geebnet, während in anderen Branchen und auch für andere (Leistungs-)Sportler die Tore geschlossen bleiben?

Jedes Unternehmen hat das Recht, mit allen legalen Mitteln um seine Existenz zu kämpfen. Das nimmt sich die Bundesliga gerade. Für sie stehen 780 Millionen Euro im Feuer, die verbrennen, falls Sponsoren und TV-Sendern in den nächsten Monaten nichts geboten wird. Millionen an Einnahmeverlusten können nur wenige der 36 Clubs verkraften, Insolvenzen drohen, einige bahnen sich schon an.

Bundesliga muss sich an die Regeln in der Coronakrise halten

Der Vorwurf, dass die Vereine in der Vergangenheit kaum Daseinsvorsorge betrieben haben, horrende Ablösesummen für ihre Profis zahlten, statt Eigenkapital zu bilden, sollte zum Thema für ein Leben nach Corona werden. Jetzt geht es erst mal ums wirtschaftliche Überleben.

Der gewährte Trainingsanfang bietet dem Fußball eine Chance. Er kann zeigen, dass er verantwortungsbewusst mit dieser Situation umgeht, dass er sich an strenge Abstandsregeln und strikte Hygienemaßnahmen hält, ein Vorreiter ist – ein bisschen Optimismus auf ein Ende des Ausnahmezustandes verbreitet.

Wenn die Bundesliga sich an die Regeln hält, könnte dies zur Blaupause für andere gesellschaftliche Be­reiche werden, die dringend Luft zum Atmen brauchen und diese mit einem ähnlichen, speziell auf sie zugeschnittenen Korsett auch bekommen könnten.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Kommentare