Kommentar

Corona-Krise: Der Norden muss zusammenhalten

Peter Wenig kommentiert den Streit um Zweitwohnungen während der Corona-Krise im Norden.

Peter Wenig kommentiert den Streit um Zweitwohnungen während der Corona-Krise im Norden.

Foto: Andreas Laible / HA

Landkreise Schleswig-Holsteins fordern Abreise der Besitzer von Zweitwohnungen. Der Ansatz ist richtig – das Vorgehen kontraproduktiv.

Hamburg. Der Weg aus der Corona-Krise, dies ist schon jetzt klar, wird ein Marathon. Von 42,195 Kilometern haben wir höchstens 500 Meter zurückgelegt. Wann und in welchem Zustand wir dieses Ziel erreichen, wird davon abhängen, wie gut wir in diesen Disziplinen sind: Regeln, Kommunikation, Zusammenhalt.

Der Streit um die Frage, ob sich Hamburger noch in ihrer Ferienwohnung in Schleswig-Holstein aufhalten dürfen, zeigt Schwächen in diesem Dreikampf auf. Zunächst: Es ist bitter, wie Gäste das einleuchtende Aufenthaltsverbot auf den Inseln immer noch unterlaufen. Wenn medizinische Kapazitäten in der Corona-Krise kaum für Einheimische reichen, ist es blanker Hohn, dort noch seinen Urlaub zu verbringen. Wer weiter alle Regeln ignoriert, hat neben der Roten Karte noch eine saftige Geldbuße verdient. Ohnehin war es rücksichtslos, als Rückkehrer aus einem Risikogebiet noch den letzten Ferientag an der Küste zu verbringen.

Kommunikation in der Corona-Krise verwirrend

Allerdings hat der zuständige Minister Bernd Buchholz die Besitzer einer Zweitwohnung auf dem Festland aus­genommen; er beließ es bei der Bitte, Besuche einzuschränken. Dennoch forderte die Polizei in Dithmarschen betagte Bewohner einer Zweitwohnung auf, sofort ihr Quartier zu verlassen. Wenn Buchholz nun sagt, dies geschehe in der Verantwortung der Landräte, ist dies zumindest fragwürdig. Dass Ministerpräsident Daniel Günther am Sonntag erneut appellierte, Zweitwohnungsbesitzer sollten sich so verhalten wie die Schleswig-Holsteiner, macht das kommunikative Durcheinander komplett.

Doch zur Wahrheit gehört, dass solche Pannen in einer solchen Ausnahmesituation passieren können. Noch vor zwei Wochen hätte niemand diese Dimension des Corona-Dramas für möglich gehalten. Und gerade die, die Geisterspiele kürzlich noch als überzogen geißelten, sollten sich lieber beschämt in Facebook-Quarantäne begeben.

Für den Zusammenhalt im Norden ist es jedoch alles andere als ein gutes Signal, wenn langjährige Nachbarn aus Hamburg mit „Hau ab“-Rufen bepöbelt werden. Denn eines sollte jedem klar sein: Das Ziel dieses Marathons erreichen wir nur gemeinsam.