Kommentar

OECD-Kritik: Der Norden darf nicht weiter zurückfallen

Oliver Schade

Die OECD kritisiert eine fehlende Kooperation in der Metropolregion Hamburg. Nicht nur Großprojekte scheitern.

Das Zeugnis der OECD für die Me­tropolregion Hamburg fällt mäßig aus. Hätte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung am Ende ihres umfangreichen Berichts eine Note vergeben, so wäre die Versetzung wohl gelungen, aber in einigen Teilbereichen hätte die Metropolregion ein „Mangelhaft“ bekommen. Besonders kritisch sehen die OECD-Experten die auf vielen Ebenen fehlenden Absprachen zwischen den Akteuren in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Oft wisse die eine Hand nicht, was die andere mache. Und nicht selten stehe der Konkurrenzgedanke vor dem Wunsch nach Kooperation.

Metropolregion Hamburg darf nicht weiter zurückfallen

Die OECD legt hier den Finger in eine Wunde, die schon seit Jahrzehnten im Norden der Republik klafft. Niemand möchte aktuell wieder die Idee eines Nordstaates auf die Tagesordnung setzen – denn dieses sicherlich überlegenswerte Projekt hat politisch ohnehin keine Chance. Und auch der lange Zeit diskutierte Großflughafen in Kaltenkirchen darf ebenso als eine Fata Morgana angesehen werden wie die enge Verzahnung der Häfen in Hamburg und Wilhelmshaven. Dennoch zeigen das Scheitern all dieser aus ökonomischer Sicht sinnvollen Projekte, dass der Norden sich schwertut, seine Zukunft gemeinsam und erfolgreich zu gestalten.

Wenn schon die Großvorhaben keine Chance auf Realisierung haben, dann sollten sich die Bundesländer wenigstens enger als bisher bei den Themen Wohnungsbau, Infrastruktur und Ausbildung absprechen. Denn zu hohe Mieten, schlechte Verkehrsanbindungen und der Mangel an Fachkräften stellen Probleme dar, die dringend angegangen werden müssen, damit die Metropolregion Hamburg nicht noch weiter gegenüber den Konkurrenten – vor allem in Süddeutschland – zurückfällt.

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