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E-Mails zwischen Hamburg und Berlin

| Lesedauer: 2 Minuten
Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Foto: Laible/Cicero / HA

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt-Chefreakteur Lars Haider und Christoph Schwennicke vom „Cicero“.

Christoph Schwennicke (r.), Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, alle reden über Clubhouse, das soziale Medium der Stunde – auch für Politiker? Einige sind dort ja schon zu hören gewesen … Und du? Du bist bestimmt schon seit Monaten dabei, hast mir nur nie davon erzählt.

Schwennicke: Nee, ich hatte keine Ahnung, was das ist. Aber gestern hatte ich einen jungen Kollegen zu Besuch, der mir das Ding gezeigt hat und mir auch eine Einladung dafür zukommen ließ.

Haider: Bodo Ramelow war schon vorher drin und dachte, keiner hört ihn, und nannte die Kanzlerin das „Merkelchen“. Wie naiv darf man als Ministerpräsident sein, wenn 5000 Menschen zuhören?

Schwennicke: Ich konnte mich darüber nicht so echauffieren. Da ist mir bei Ramelow in anderen Zusammenhängen schon mehr der Kamm geschwollen. Das hier war halt sein missglückter Versuch der Ranschmeiße an ein cooles junges Publikum. Und das Merkelchen, mein Gottchen, ja. Dafür hatte er sich vorher öffentlich in den Staub geworfen, indem er sagte: Die Kanzlerin hatte recht bei Corona und ich nicht. Ich glaube übrigens, dass Frau Merkel da weit mehr drübersteht und wahrscheinlich sogar drüber schmunzeln kann, als all das Gesummse um diesen Auftritt suggeriert.

Haider: Dann kommen wir zum wirklich wichtigen Thema dieser Woche: Wie peinlich ist bitte, was Deutschland sich da in Sachen Impfen leistet?

Schwennicke: Das ist eine Schande, eine tödliche Schande. Sie haben auf ganzer Linie versagt: von der Leyen, Spahn und Merkel. Alle drei. Deutschland hatte zu jener Zeit die Ratspräsidentschaft. Und es kann nicht wahr sein, dass dem Parlament der Einblick in die Verträge verwehrt wird. Das ist neben dem fehlenden Impfstoff der Skandal im Skandal.

Haider: Und was muss jetzt passieren? Wort halten und allen, die es wollen, bis zum Sommer ein Impfangebot machen wäre das Mindeste.

Schwennicke: Können vor Lachen. Du kannst den Impfstoff ja nicht aus der Birkenrinde melken. Ich bin demnächst 55 und rechne inzwischen nicht vor Herbst damit, eine Chance auf eine Impfung zu bekommen. „Der Fehler ist gemacht“, hat Franz Müntefering mal in einem berühmten Moment in seine „Erika“-Schreibmaschine gedroschen.

( HA )

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