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Warum die Basketballer wieder erfolgreich sind

Die Nationalmannschaft gilt bei der WM als Medaillenkandidat, weil die Bundesliga den Nachwuchs systematisch gefördert hat.

Am Sonntag startet die deutsche Basketball-Nationalmannschaft gegen Mitfavorit Frankreich in die Weltmeisterschaft in China. Die Erwartungen an das Team sind enorm, die WM-Qualifikation gelang auf souveräne Weise. Ein Kader mit derart vielen Spielern aus den Topligen der Welt stand noch keinem Bundestrainer zur Verfügung; selbst in Zeiten eines Superstars Dirk Nowitzki nicht, der mit Deutschland 2002 WM-Dritter, 2005 Vizeeuropameister wurde. Ein Indiz dafür: Mit Isaac Bonga und Moritz Wagner schafften zwei von sechs jungen NBA-Profis nicht den Sprung in die Endauswahl.

So viel Qualität lässt hoffen, dass zumindest das Olympiaticket für Tokio 2020 in Wurfweite kommt. Die zwei besten Europäer erhalten es. Die Auslosung ist allerdings hammerhart. Schon im Viertelfinale könnten die Deutschen auf Weltmeister USA treffen.

Das mutmaßliche Lospech ändert indes wenig an der Euphorie, die in der hiesigen Basketballszene um diese Mannschaft herrscht. Was bei aller Begeisterung berücksichtigt werden sollte: Seit dem Gala-Auftritt des US-Dream-Teams bei den Olympischen Sommerspielen 1992 in Barcelona ist die Globalisierung des Basketballs rasant fortgeschritten, haben sich international die Kräfteverhältnisse verschoben.

Basketball-Bundesliga regte Förderung von Talenten an

Die Weltspitze ist breiter und ausgeglichener geworden. Heute sind rund 40 Prozent der Spieler in der nordamerikanischen Profiliga NBA keine Amerikaner mehr, 1992 kam gerade mal eine Handvoll Profis nicht aus den USA. Dazu gehen bei der WM in China erstmals 32 Nationen zum Korb. „Da herrscht ein Riesengedränge von Mannschaften mit riesigem Niveau“, warnt Bundestrainer Henrik Rödl.

Die deutschen Basketballer gehören dazu und dürften auch in den nächsten Jahren dazugehören, und das aus gutem Grund. Seit rund 15 Jahren werden Talente hierzulande systematisch gefordert und gefördert, die Gründung der Nachwuchs-Bundesliga (NBBL/U 19) 2006 und der Jugend-Bundesliga (JBBL/U 16) zwei Jahre später schufen eine qualitativ hochwertige Plattform für die sportliche Entwicklung. Der Erfolg blieb nicht aus: Die U 20 gewann im vergangenen und in diesem Jahr bei den Europameisterschaften zweimal Bronze.

Das ist hauptsächlich das Verdienst der Basketball-Bundesliga (BBL), die, so die vor Jahren vollmundige Ankündigung, in absehbarer Zeit zur besten Spielklasse Europas aufsteigen will. Die BBL verpflichtet ihre Clubs mit der Lizenzvergabe zur Nachwuchsarbeit, verlangt entsprechende Investitionen. Das löste die gewünschte Dynamik aus.

Hamburg Towers schicken Jugendtrainer in Schulen

Jeder Verein muss in der NBBL und JBBL mitspielen, drei hauptamtliche Jugendtrainer beschäftigen, Mini-Basketball für unter Zwölfjährige anbieten, Schulkooperationen organisieren, mindestens fünf AGs in der Woche und/oder eine Grundschulliga durchführen. Das Ziel, mehr Talente zu entdecken, sie mit erfahrenen Trainern auszubilden, verfolgt der deutsche Basketball inzwischen auf seinen höchsten Spielebenen mit der nötigen Konsequenz und Professionalität.

Der Bundesliga-Aufsteiger Hamburg Towers zum Beispiel schickt seine etwa 20 Jugendtrainer in mehr als 50 Schulen, wirft und dribbelt seit Jahren mit seinen Piraten erfolgreich in der NBBL und JBBL. Für die Lizenzerteilung mussten die Towers einen zusätzlichen Jugendtrainer einstellen, was kein Pro­blem war.

Auch die Clubs der Zweiten Bundesliga ProA und ProB haben ähnliche, leicht abgeschwächte Anforderungen zu erfüllen. Selbst in den Regionalligen achtet der hier zuständige Deutsche Basketball Bund auf nachhaltige Konzepte zur Nachwuchsförderung. Das Konstrukt wird abgerundet von einem 2008 installierten und von den 58 Proficlubs gespeisten Ausbildungsfonds, der die Einsatzzeiten der Talente prämiert.

Mindestens 170 Minuten müssen unter 23-Jährige dafür in der BBL auf dem Feld stehen, in der Pro A unter 21-Jährige 300, in der Pro B unter 20-Jährige 330 Minuten, damit ihr Jugendclub in den Genuss der Vergütung kommt. Die beträgt maximal 10.000 Euro. Nach der vergangenen Saison wurden 250.000 Euro ausgeschüttet, 120.000 kassierten Amateurvereine.

Die Nationalmannschaft kann jetzt in China Werbung für dieses System machen. Es hätte eine Medaille verdient.