Meinung
Kommentar

Zum Fliegen getrieben

Oliver Schade, Ressortleiter Wirtschaft des Hamburger Abendblatts.

Oliver Schade, Ressortleiter Wirtschaft des Hamburger Abendblatts.

Foto: Andreas Laible

Superschnäppchen wie für fünf Euro vom Hamburger Airport nach Brüssel gibt es zum Glück nicht mehr.

Hamburg. Es ist noch nicht lange her, da konnte man für 1,99 Euro von Frankfurt-Hahn nach Mallorca und für 4,99 Euro von Hamburg nach Brüssel fliegen. Vor allem der umtriebige Ryanair-Chef Michael O’Leary war bekannt für diese Superschnäppchen. Geld verdienen konnte er mit diesen Angeboten schon früher nicht, aber als Marketinggag erfüllten sie ihren Zweck: Die irische Fluggesellschaft bekam Aufmerksamkeit, lockte neue Kunden auf ihre Internetseite – und zwang die Konkurrenz ebenfalls zu Billigst-Offerten.

Mit Billigfliegern kann Klimaschutz nicht ernst genommen werden

Fliegen wurde zum Ramschprodukt: Für 4 Euro konnte man mit der Partnerin übers Wochenende in die Sonne Südeuropas jetten oder aus Langeweile einen Tagesausflug nach Brüssel (morgens hin, abends zurück) für unter 5 Euro unternehmen. Menschen wurden mit diesen Dumpingpreisen förmlich zum Fliegen getrieben – zum Glück ist es damit erst einmal vorbei.

Denn wie soll man den von allen Seiten (Politik, Wirtschaft, Gesellschaft) ausgerufenen Kampf gegen den Klimawandel ernst nehmen, wenn klimaschädliches Fliegen fast zum Nulltarif angeboten wird? Die lange ökonomische Durst­strecke im Zuge der Corona-Pandemie und die deutlich gestiegenen Energie- und Personalkosten haben Michael O’Leary und andere Topmanager aus der Luftfahrtbranche dazu gebracht, ihr Verhalten zu ändern. Nicht, dass sie zu vorbildlichen Klimarettern geworden sind, sie müssen heute einfach sehr viel spitzer kalkulieren als noch 2019.

Ob es eines Tages zur Rückkehr der Superschnäppchen kommen könnte? Wer Michael O’Leary kennt, sollte das nicht ausschließen. Dann hilft nur noch eines: nicht einsteigen!

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