Puristen mögen keine Partikeln, aber für uns sind sie die gefühlte Melodie eines Textes.

Seit einigen Wochen beschäftige ich mich mit der Stilistik, mit der Lehre von der Gestaltung des sprachlichen Ausdrucks. Diese Thematik war nicht geplant. Sie hat sich ergeben, wobei der eine Begriff einen anderen nach sich zog. Heute geht es um kleine Teilchen. Für Sprachpuristen wie Ludwig Reiners (1896–1957) handelt es sich um „Läuse im Pelz der Sprache“, die unser klares Deutsch mit überflüssigen Beigaben verunreinigen. Für Sprachwissenschaftler sind sie ein nie endendes Streitobjekt bei der Definition und Einordnung als Wortart. Für die Freunde unserer Muttersprache jedoch, für Schriftsteller und Leser, die noch die Feinheiten und die Melodie eines Textes spüren und genießen können, sind sie unverzichtbar zur Abtönung eines Satzes wie die Rosinen im Kaiserschmarrn oder die Schnittlauchröllchen im Kartoffelsalat.