Meinung
Glosse

Auf der Wies’n Maß-voll feiern – aber richtig

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Hinnerk Blombach
Hinnerk Blombach ist Chef vom Dienst des Hamburger Abendblatts.

Hinnerk Blombach ist Chef vom Dienst des Hamburger Abendblatts.

Foto: HA

Eine kleine norddeutsche Anleitung für das Münchner Septemberfest. Das Wichtigste wird sich schnell einschleifen.

Als Norddeutscher hat man es mitunter nicht leicht, sämtliche Vorgänge rund um das berühmte Oktoberfest in München bis ins letzte Detail zu kapieren. Warum heißt es „Oktoberfest“, wenn der mit Abstand größte Teil der zweiwöchigen Party im September stattfindet? Vermutlich genau wegen dieser Ungereimtheit sprechen die Eingeborenen nur von der Wies’n. Das passt ja irgendwie auch im September.

Wenn am 17. September der Reiter Dieter mit dem traditionellen „O’zapft is!“ das größte Volksfest der Welt eröffnet, dann fragen sich die Nordlichter: Wer ist bloß dieser Mann mit dem Pferd? Hat er das berühmte „Wieher san wieher“ erfunden, mit dem Fußballfans in aller Welt den FC Bayern verbinden? Nein, wer mit der bayerischen Mundart ein wenig vertraut ist, wird wissen: Es handelt sich um Dieter Reiter, den Oberbürgermeister von München.

Singles können erstmals beim Oktoberfest einen Platz reservieren

Bekannt sind die September-Wies’n natürlich für extensives Feiern. Das darf allerdings niemals Maß-los sein, denn dann hat man eben keinen Liter-Krug mit Bier vor sich stehen. Wer also Maß-voll mitfeiern möchte, dem bieten sich in diesem Jahr bislang ungekannte Möglichkeiten, die in München schon als „kleine Revolution“ bezeichnet werden: Erstmals können nun Besucher, die allein auf die Wies’n gehen möchten, einen Platz im Festzelt reservieren, ohne gleich einen ganzen Tisch buchen zu müssen.

Kostet auch nur 79 Euro, dafür gibt es immerhin zwei Maß Bier und ein halbes Hendl (schon wieder so ein komisches Wort, das in diesem Fall „Grillhähnchen“ bedeutet).

Norddeutsche beim Oktoberfest: Ist das schon „kulturelle Aneigung“?

Als Single ins Festzelt? Okay, dann sollte man sich noch kurz mit der bayerischen Schleifenlehre beschäftigen: Die Seite, auf der eine Dirndl-Trägerin ihre Schürzenschleife platziert, verrät: Single, verwitwet oder vergeben. Es soll allerdings schon mal vorgekommen sein, dass am späteren feuchtfröhlichen Abend wahlweise die Schleife auf wundersame Weise ihre Position verändert oder aber der „Beziehungsstatus“ einfach ignoriert wird.

Norddeutsche allerdings sollten generell vorsichtig mit einem Wies’n-Besuch sein. Er könnte als kulturelle Aneignung gewertet werden.

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