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Neuer Partner Südamerika

Peter Ulrich Meyer leitet das Ressort Landespolitik des Hamburger Abendblatts.

Peter Ulrich Meyer leitet das Ressort Landespolitik des Hamburger Abendblatts.

Foto: HA/Andreas Laible

Gas aus Russland: Mit der Reise nach Südamerika hat Peter Tschentscher einen wichtigen Schritt in Richtung Unabhängigkeit gemacht.

Hamburg. Die Reise des Ersten Bürgermeisters Peter Tschentscher mit einer Wirtschaftsdelegation nach Südamerika hat zum richtigen Zeitpunkt stattgefunden. Das Koordinatensystem im Machtgefüge der Welt verändert sich rasant. Der Angriff Russlands auf die Ukraine mit all seinen Folgen beschleunigt die Wende hin zu erneuerbaren Energien, mit denen der Klimawandel wenigstens verlangsamt werden muss.

Deswegen geht es jetzt darum, neue Partner zu finden und neue Allianzen zu schmieden, um die Abhängigkeit von russischem Gas zu überwinden. Vor allem Chile hat Wind und Sonne im Überfluss und mit die größten Kupfer- und Lithium-Vorkommen. Tschentscher und die Wirtschaftsvertreter begegneten in Buenos Aires, Montevideo und Santiago de Chile aufgeschlossenen Ministern und Spitzenbeamten, die aber auch deutlich machten, dass sie an einem Technologietransfer vom Norden in den Süden interessiert seien, um Wertschöpfung im eigenen Land zu realisieren. Das ist auch gut so.

Absichtserklärungen sind noch keine Verträge

Hamburg hat erst einmal nur seine Visitenkarte in Sachen Energiewende auf dem südlichen Kontinent abgegeben. Denn darüber darf nicht hinweggesehen werden: Die Absichtserklärungen für eine Kooperation in der Energieversorgung, die Tschentscher auf dieser Reise mit den Regierungen von Argentinien, Uruguay und Chile abgeschlossen hat, sind eben noch keine Verträge.

Und Hamburg ist nicht das einzige Bundesland, das sich jetzt um eine Intensivierung der Beziehungen in die Region westlich und östlich der Anden bemüht. Hamburg ist auch nicht der einzige Hafen in Europa, der sich als großer Umschlagplatz zum Beispiel von grünem Wasserstoff empfiehlt. Die Rotterdamer und Antwerpener waren schon da.

Bleibt das Risiko politischer Instabilität und dramatischer wirtschaftlicher Talfahrten in Chile und Argentinien. Ein Diktator wie Putin ist jedoch nicht in Sicht.

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