Meinung
Kommentar

Tschentschers Luftnummer mit den Windrädern

Peter Ulrich Meyer
Peter Ulrich Meyer leitet das Ressort Landespolitik des Hamburger Abendblatts.

Peter Ulrich Meyer leitet das Ressort Landespolitik des Hamburger Abendblatts.

Foto: HA/Andreas Laible

Um unabhängig von russischem Gas zu werden, will der Erste Bürgermeister Windräder im Naturschutzgebiet bauen. Das ist keine gute Idee.

Hamburg. Manchmal hilft es ja in einer schwierigen und zugespitzten Lage, mit einer unkonventionellen Idee Denkblockaden zu lockern und einen Lösungspfad zu öffnen. Und wer wollte bestreiten, dass die energiepolitische Lage angesichts der Moskauer Aggression in der Ukraine mit all ihren Folgen dramatisch und die Erlangung der Unabhängigkeit von russischen Gaslieferungen eine Herkulesaufgabe ist?

Doch der Vorschlag von Hamburgs Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), Windkraftanlagen nun auch in Naturschutzgebieten zu errichten, fällt eindeutig nicht in die Kategorie Teil der Lösung. Der Bau jedes der rund 200 Meter hohen Riesenrotoren ist ein Eingriff in die Natur. Doch wo könnte der Eingriff in Flora und Fauna größer sein als in einem Naturschutzgebiet, dessen Zweck es ja unter anderem ist, die Natur sich selbst zu überlassen und deswegen von Bauten frei zu halten? Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet ohnehin Zerstörung oder Beschädigung auch von Teilen dieser Areale.

Windräder: Tschentscher will ausbauen

Sicher, die ressourcenschonende und regenerative Energieerzeugung muss dringend ausgebaut werden. Das verlangen der Klimaschutz und nun auch das Konzept der nationalen Energieerzeugung, das von Erpressungsversuchen der Putins dieser Welt unabhängig machen soll und muss. Ob in einem Stadtstaat wie Hamburg das bundesweite Ziel, zwei Prozent der Fläche für den Bau von Windrädern auszuweisen, erfüllt werden kann, steht dahin.

Das Potenzial für mehr als die bislang 67 Anlagen dürfte allerdings vorhanden sein. Tschentscher selbst hat auf den Hafen hingewiesen, wo sich bislang nur 14 Windräder drehen. Auch Landschaftsschutzgebiete sollten unter strengen Voraussetzungen kein Tabu mehr sein.

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