Meinung
Leitartikel

Claus Ruhe Madsen – Daniel Günthers mutige Wahl

| Lesedauer: 3 Minuten
Stephan Steinlein ist stellvertretender Chefredakteur beim Hamburger Abendblatt.

Stephan Steinlein ist stellvertretender Chefredakteur beim Hamburger Abendblatt.

Foto: Ha / HA / Mark Sandten

Der CDU-Ministerpräsident holt einen parteilosen Dänen als Minister ins Kabinett. Madsen war bislang Bürgermeister in Rostock.

Daniel Günther hat es wieder geschafft: Er erklärt den Kampf gegen den Klimawandel zur Herzensangelegenheit der CDU, koaliert mit den Grünen, überrascht mit Personalentscheidungen, verzichtet freiwillig auf einen Ministerposten für ein CDU-Mitglied – und dennoch stimmt erst der Parteitag geschlossen für den Koalitionsvertrag, und jetzt, zwei Tage später, sagt der Landtag mit Zwei-Drittel-Mehrheit ja zum alten und neuen Ministerpräsidenten. Günther ist am Ziel. Oder ist es nur ein Zwischenziel des ambitionierten CDU-Politikers?

Die Partei im Norden weiß jedenfalls, wem sie Dank schuldet: dem Mann, der sie zum zweiten Wahlsieg in Folge geführt, der nur knapp die absolute Mehrheit verfehlt und das beste Ergebnis seit fast 40 Jahren für die CDU eingefahren hat. Und so stimmt die Union geschlossen einem Koalitionsvertrag zu, mit dem viele konservative Parteifreunde hadern dürften. Und sie akzeptiert klaglos, dass Günther freiwillig auf einen Ministerposten für einen CDU-Politiker verzichtet, in dem er dem parteilosen Dänen Claus Ruhe Madsen den prestigeträchtigen Posten im Wirtschaftsressort andient.

Claus Ruhe Madsen als Wirtschaftsminister: Eine mutige Wahl von Günther

Aber wer ist dieser Madsen? Was kann der, was CDU-Politiker im Norden nicht drauf haben? Und vor allem: Ist es richtig, Madsen, dem man im Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern vorwirft, die Bundesgartenschau 2025 versemmelt zu haben, ins Kabinett zu holen?

Dass sich die Opposition kritisch an Günthers Personaltableau abarbeitet – das ist ihre Aufgabe. Aber selbst die Arbeitgeber reagieren noch ein wenig zögerlich. Der Verband der Metall- und Elektroindustrie freut sich via Pressemitteilung zunächst einmal „über Kontinuität“, und dass Karin Prien ihre „moderne Bildungspolitik“ fortsetzt und dass Monika Heinold von den Grünen weiter „solide Finanzpolitik betreiben“ kann. „Claus Ruhe Madsen tritt als Wirtschaftsminister in große Fußstapfen. Wir hoffen, dass auch er seine Erfahrungen als Unternehmer und seine bundesweite Bekanntheit zum Wohle der schleswig-holsteinischen Betriebe einsetzen kann“, heißt es dann höflich zurückhaltend.

Kann Claus Ruhe Madsen auch eine Verwaltung führen?

Madsen ist einer, den man einen Menschenfänger nennen kann, den Kenner als den „besten Außenminister“ bezeichnen, den die Stadt Rostock je hatte. Madsen gilt als kommunikativ. Er bringt Menschen zusammen, fördert den Dialog. Der Däne passt damit perfekt ins Anforderungsprofil eines Wirtschaftsministers im Norden: Er kann Türen öffnen, Leute vernetzen, seine Kontakte nach Dänemark einbringen. In den Hochphasen der Pandemie ist Madsen bundesweit bekannt geworden als eloquenter Stargast in Talkshows, der dort die „Marke“ Rostock perfekt verkauft hat. Der Däne gilt als der Richtige, um Unternehmer, Wissenschaftler, Fachkräfte, Kreative von Schleswig-Holstein begeistern.

Madsen, heißt es, könne viel. Was er nicht könne, sei eine Verwaltung zu führen und auf dem Weg der Veränderung mitzunehmen. Das jedenfalls werfen ihm Kritiker aus Rostock vor. Doch stimmt das auch? Und: Sind die Bürokratien und Anforderungen in Rostock und in Kiel wirklich vergleichbar? Hat Madsen nicht längst aus Missverständnissen in Mecklenburg-Vorpommern Konsequenzen gezogen? Nicht zuletzt ist die Arbeit nach innen, also in die Verwaltung eines Ministeriums hinein, zu allererst auch die Aufgabe der beiden Staatssekretäre. So ist Günthers Wahl Madsens eine mutige und spannende Überlegung. Jetzt ist es bei Madsen, zu zeigen, dass es auch die richtige Entscheidung des Ministerpräsidenten ist.

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