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Grotesk: Temperaturen steigen, Freibäder schließen

Matthias Iken ist stellvertretender Chefredakteur beim Hamburger Abendblatt.

Matthias Iken ist stellvertretender Chefredakteur beim Hamburger Abendblatt.

Foto: Andreas Laible

Sommer ohne Schwimmen in Hamburg? Bäderland hat lediglich fünf Freibäder geöffnet. Die Erklärungen überzeugen nicht.

Am Sonnabend kletterte das Thermometer in Hamburg auf 27 Grad, die Hitzewelle hatten manche Medien schon vor Tagen aufgeregt als Sahara-Hitze herbeigeschrieben. Trotzdem standen Dutzende Schwimmbad­besucher am Wochenende fassungslos vor verschlossenen Türen: Bäderland hatte lediglich fünf Freibäder geöffnet.

Zwar wird es in Hamburg immer wärmer und der Wetterbericht immer zuverlässiger – aber das Angebot von Schwimmen unter freiem Himmel immer überschaubarer. Mit geradezu grotesken Erklärungen versucht sich der Schwimmbadbetreiber Bäderland herauszuwinden: Derzeit habe das Wasser in den Freibädern kaum mehr als 20 Grad, heißt es da – übrigens eine Temperatur, die Nord- und Ostsee nur selten erreichen.

Sommer in Hamburg: Freibäder sind kein Luxus

Auch die Liegewiesen seien derzeit noch recht kalt, heißt es – angesichts der Hitze der vergangenen Tage eine überraschende Auskunft. Sie kommt nicht zum ersten Mal in diesem Sommer. Man fragt sich, warum vor wenigen Jahrzehnten, noch vor der Klimakrise, Schwimmbäder von Anfang Mai bis September öffnen konnten, übrigens auch bei Schietwetter. Früher war nicht alles besser – die Schwimmbadöffnungszeiten waren es aber allemal.

Vielleicht stecken andere Gründe hinter dem eingeschränkten Angebot: Offenbar ist der Personalmangel der Schwimmbadbetreiber noch dramatischer als kommuniziert. Dann müssen schnell andere Lösungen her, gemeinsam mit der DLRG oder anderen Ehrenamtlern. Freibäder sind kein Luxus einer Wohlstandsgesellschaft, sondern wichtige Infrastruktur für Kinder, Jugendliche und sozial Schwache: Hier kostet die Flucht aus dem Alltag nur einen Euro aufwärts.

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