Meinung
Glosse

Der Bündnis-Fall

| Lesedauer: 2 Minuten
Hinnerk Blombach
Hinnerk Blombach ist Chef vom Dienst des Hamburger Abendblatts

Hinnerk Blombach ist Chef vom Dienst des Hamburger Abendblatts

Foto: Privat

Wie der Hamburger Senat uns ein Erfolgsmodell nach dem anderen verkaufen will – und Nachahmer auf der ganzen Welt findet.

Hamburg. Manche Herausforderungen sind so groß, dass man sie nur gemeinsam bewältigen kann. Denken wir etwa an das Wiederauffinden der in der Wäsche verloren gegangenen Socken und das Verhindern der 134. Deutschen Fußballmeisterschaft in Folge für den FC Bayern München. Auch in Hamburg bedarf es gelegentlich vereinter Kräfte, um die Stadt voranzubringen. Das Erfolgs­modell, das eigens dafür vom Senat entwickelt wurde, nennt sich „Bündnis“.

Allein in den letzten Tagen erreichten uns drei dazugehörige Erfolgsmeldungen aus dem Rathaus: „Das Bündnis für den Radverkehr wird als Bündnis für den Rad- und Fußverkehr fortgesetzt“ zum Beispiel. Oder: Ein „Bündnis für Gute­ Arbeit“ (ja, ganz selbstbewusst wird hier schon das Adjektiv großgeschrieben) wurde gestartet. Und auch zum „Bündnis für Wohnen“ gab es Neuigkeiten, welche die einen (Senat) als „bewährt sich auch in der Krise“ bewerten, andere (Opposition) dagegen als „Desaster“.

Hamburger Erfolgsmodell auch in Nato vertreten

Hamburg blickt zudem bereits auf mehr als zwei Jahre „Bündnis für die Industrie der Zukunft“ zurück und hat sich dem „Bündnis für Artenvielfalt“ angeschlossen. In der Metropolregion sollen jetzt „Trassen-Bündnisse“ für die rasche Umsetzung der Radschnellwege sorgen.

Auch außerhalb der Stadtgrenzen hat sich das Hamburger Erfolgsmodell ausgebreitet. So erfreut sich die Nato, das nordatlantische Verteidigungs-Bündnis, gerade großer Beliebtheit und sammelt in Nordeuropa kräftig neue Mitglieder – dem „Bündnisfall“ in Artikel 5 des Nato-Vertrages sei Dank. Und die Grünen sind vermutlich nur deswegen gerade so erfolgreich, weil in ihrem Namen auch „Bündnis 90“ vorkommt.

Naturschutzbund Deutschland zukünftig "Nabü"?

Es ist also nachvollziehbar, dass auch andere an diesem Erfolg teilhaben wollen. So überlegt der Naturschutzbund Deutschland, sich in „Nabü“ umzubenennen. Auf den Wochenmärkten verkaufen die ersten Beschicker ein „Bündnis Petersilie“. Und in Kindergärten soll den Kleinen künftig das richtige „Bündnis der Schleifen“ beigebracht werden.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Meinung