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Bewerbermangel: Wo die Polizei aufholen muss

In der Hamburger Polizei läuft ein großer Generationswechsel. Der Bewerbermangel in Hamburg ist auch ein Imageproblem.

Hamburg. Sie brauchen jetzt jede Frau und jeden Mann, das war absehbar. In der Hamburger Polizei läuft ein großer Generationswechsel – nur fehlen Bewerber, um die vielen in den Ruhestand gehenden Beamten zu ersetzen. Sind die Standards zu hoch? Nein, und es wäre ein Fehler, hier anzusetzen. Stattdessen muss die Polizei an ihrem Image arbeiten. Und die Kandidaten für den mittleren Dienst richtig ansprechen.

Wie das geht, hat die Führung selbst schon gezeigt: Erfolgreich wurde der Anteil von Frauen und Menschen mit Migrationsgeschichte gesteigert, was auch nötig ist, damit die Staatsmacht ein möglichst aktuelles Spiegelbild der Gesellschaft abgibt. Das Ergebnis dieser PR-Kampagnen war aber auch, dass die gut ausgebildeten Bewerber fast ausschließlich in den gehobenen Dienst wollen. Nachholbedarf gab es lange dabei, Menschen anzusprechen, die sich nicht zwingend als künftige Dienstgruppenleiter sehen und mit einem guten Abiturzeugnis oder gar einem Studienabschluss wedeln können.

Polizei Hamburg: Bewerber fehlen

Das sind vor allem Bewerber mit Realschulabschluss für den mittleren Dienst. Am Geld hapert es hier nicht, Polizisten werden ordentlich bezahlt. Auch spielt Hamburg seine Vorzüge aus: Die Arbeit in einer Großstadtpolizei ist spannender als auf dem Land. Der Erfolg in dieser Zielgruppe ist trotzdem noch überschaubar. Das dürfte auch an den Makeln liegen, die der Polizei seit Jahren anhaften: die hohe Arbeitsbelastung, teilweise schlechte technische Ausstattung und eine nicht immer moderne Führungs- und Dienstkultur.

Bewerbern für den mittleren Dienst muss zudem gezeigt werden, dass auch für sie die Türen in Spitzenbereiche wie das Sondereinsatzkommando offen stehen. Die Polizei braucht Überzeugungstäter. Und nicht nur Bewerber, die aus Verlegenheit gern Beamte wären.

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