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Wer will überhaupt noch in die Bundesliga?

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Das Derby zwischen dem HSV und St. Pauli elektrisierte mehr Fußballfans als so manches Bundesligaspiel.

Das Derby zwischen dem HSV und St. Pauli elektrisierte mehr Fußballfans als so manches Bundesligaspiel.

Foto: Imago / KBS-Picture

Die Zweite Liga bietet mittlerweile mehr Spektakel als die Bundesliga. Deshalb haben der HSV und St. Pauli einen klaren Auftrag.

Hamburg. Ich muss direkt zu Beginn etwas gestehen: An diesem Wochenende habe ich keine einzige Minute Bundesliga geschaut, dafür aber gleich drei Zweitligaspiele von der ersten bis zur letzten Minute genossen: Das Hamburger Stadtderby zwischen dem HSV und St. Pauli am Freitag, Werder Bremens spektakulären 4:3-Sieg in Paderborn am frühen Sonnabend und Schalkes beeindruckendes 5:0 am späten Sonnabend gegen Aue. Der passende Soundtrack zu meinem Zweitliga-Wochenende: „No regrets“ von Robbie Williams. Oder wie würde es Christoph Daum formulieren? Ich habe ein absolut reines Gewissen.

Denn auch ohne das Spitzenspiel der Bundesliga zwischen Bochum und Köln (Gähn!), ohne dem Freitagabendkracher zwischen Frankfurt und Bielefeld (noch mal Gähn!) und sogar ohne den Fürther Sieg gegen Mainz (ein letztes Mal Gähn!) ist mein Fußballherz an diesem Wochenende voll auf den Geschmack gekommen.

Wenn Werder-Fans am Schulterblatt sind ...

Obwohl ich zugegebenermaßen kein Bremen-Fan bin, war besonders der Werder-Sieg in Paderborn so ziemlich das Spektakulärste, was mir in dieser Saison an Fußball geboten wurde. Ein unbekannter Gruß noch mal an dieser Stelle an die fünf Herren in Werder-Trikots in der O-Feuer-Bar am Schulterblatt, denen ich beim Paderborner Tor zum zwischenzeitlichen 3:1 offenbar zu laut gewesen bin – und die beim 3:4 ihrerseits ihren Jubel mehr als ausgekostet haben.

Jede Menge gejubelt wurde sicherlich auch in Gelsenkirchen, nachdem Schalke am späten Sonnabend Aue im Erzgebirge mit 5:0 überrollte. Natürlich hatte Simon Terodde wieder getroffen, Danny Latza steuerte einen Doppelpack bei, und Neuzugang Andreas Vindheim (ein Treffer, drei Torvorlagen) gab auch noch seine Visitenkarte ab. Das Ganze in einem Wort: beeindruckend!

HSV nun gegen Tabellenführer Darmstadt

Wirklich beeindruckend ist aber, dass weder Ole Werners wiederauferstandene Werderaner noch die wiedererstarkten Schalker und auch keiner der beiden Hamburger Fußballschwergewichte, die unter der Woche Köln und Dortmund aus dem Pokal geschmissen haben, an der Tabellenspitze thronen. Dort hat es sich still und leise Darmstadt 98 nach vier Siegen aus den vergangenen fünf Spielen bequem gemacht.

Nach der Länderspielpause (übrigens ohne Länderspiel) kommt es am übernächsten Wochenende direkt zum nächsten Blockbuster zwischen Darmstadt und dem HSV. Fast könnte man sich fragen, wer bei so viel Spektakel überhaupt noch in die Bundesliga will?

Ich! Und zwar gerne mit dem HSV, St. Pauli (und wenn es sein muss sogar mit Werder). Der bescheidende Auftrag dann: Make the Bundesliga great again!

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