Meinung
Schumachers Woche

Und plötzlich erschien mir Robert Habeck

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Hajo Schumacher
Hajo Schumacher über Jamaika, Ampel und die Frage nach dem Charakter.

Hajo Schumacher über Jamaika, Ampel und die Frage nach dem Charakter.

Foto: © Annette Hauschild / OSTKREUZ - Agentur der Fotografen GmbH

Er sagte: „Es ist besser, nicht zu ...“ Da bin ich aufgewacht. Es war mein Inemuri-Moment – und es gab weitere.

Hamburg. Ich bin großer Fan des Inemuri. Klingt japanisch. Ist es auch. „Nemuri“ steht für Schlaf, „i“ bedeutet, körperlich anwesend zu sein. Klingt widersprüchlich und ist deswegen eine Kunst. Die Kunst des Kurzschlafs überall, des Mi­kro-Nickerchens im Alltag, ob in der U-Bahn, beim Familienfrühstück oder während der Zoom-Konferenz, wo allerdings auch Aussicht auf ein ausgedehnteres Schläfchen besteht. Beim Nemuri schwappen angeblich verstärkt Alphawellen durchs Hirn, was obendrein für erhöhte Kreativität sorgt.

Neulich beim Inemuri tauchte Robert Habeck auf, wie er in den Berliner Nieselregen trat und in die Kameras sprach: „Wir werden unsere Wählerinnen und Wähler nicht im Stich lassen, indem wir eine Politik mittragen, von der wir nicht überzeugt sind. Es ist besser, nicht zu ...“ Leider endete der Nemuri in diesem Moment. Was wollte der Grüne sagen? An was erinnerte mich die Szene?

Helge Braun und Friedrich Merz folgten

Einen Inemuri später sah ich Helge Braun, der vom Bundespräsidenten vereidigt wurde. Es kann auch Armin Laschet gewesen sein, so genau war der nette rundliche Herr nicht zu erkennen. Verflixt. Schon wieder so ein flüchtiger, unvollständiger Alphawellen-Moment. Inemuris sind wie Gespräche mit langjährigen Partnern: Aus Halbsätzen und Andeutungen muss man sich seine Realität zusammenbasteln.

Der dritte Inemuri gab Aufschluss. Friedrich Merz war am Rednerpult zu sehen, wie er erbittert gegen eine Große Koalition wetterte. Moment, das war doch vor vier Jahren der Part von Kevin Kühnert.

Koalition der CDU mit der SPD?

Im Aufwachen sah ich noch Zahlen, 53 zu 47. Eine knappe Mehrheit der Parteitagsdelegierten hatte entschieden, dass die CDU mit der SPD über eine Koalition verhandeln möge. Unsinn, oder? Es sei denn, im nächsten Inemuri treffen Habeck/Baerbock und Lindner/Kubicki aufeinander, in einer Spezialklinik für nachhaltig gescheiterte Koalitionäre.

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