Meinung
Schumachers Woche

Corona in Deutschland: Wir müssen reden

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Hajo Schumacher
Hajo Schumacher über Jamaika, Ampel und die Frage nach dem Charakter.

Hajo Schumacher über Jamaika, Ampel und die Frage nach dem Charakter.

Foto: © Annette Hauschild / OSTKREUZ - Agentur der Fotografen GmbH

Nach knapp zwei Jahren in der Pandemie wissen wir immer noch viel zu wenig darüber, wie Menschen ticken und was sie bewegt.

Hamburg. Eine gute Freundin ruft an. Wir mögen uns, schon lange. Sie klagt, dass sie diskriminiert werde. Weil sie ihr Recht wahrnehme, sich nicht impfen zu lassen, werde ihr alsbald der Zugang zum öffentlichen Leben verwehrt: Restaurants, Museen, Behörden. Wir tauschen bekannte Argumente aus: das Drama auf den Intensivstationen, Kimmich, Land ohne Regierung, Impfdurchbrüche, Spanien, Statistiken. Wir stimmen überein, dass wir nicht übereinstimmen.

Aber wir fassen einen Entschluss: keine Wut, kein Werten, kein Basta. Wir wollen im Gespräch bleiben. Nicht leicht. Immer diese Emotionen. Ein befreundeter Arzt ruft an. Er berichtet von Patienten, die sich vor der Impfung fürchten. Er lässt sich von den Sorgen erzählen, auch wenn die Krankenkasse solche Gespräche nicht honoriert. Resultat: Angst wird weniger, wenn sie ausgesprochen wird. Andernfalls kann diese Angst zu Wut und Trotz werden. Gespräch beendet, bevor es begonnen hat. Was hilft eine Impfpflicht, wenn Millionen Aufgebrachte dann zivilen Ungehorsam üben und sich weigern?

Neue Regeln erreichen das Gegenteil

Nach knapp zwei Jahren in der Pandemie wissen wir immer noch viel zu wenig darüber, wie Menschen ticken und was sie bewegt. Manche neuen Regeln mögen gut gedacht sein, erreichen aber das Gegenteil. Das Ende der kostenlosen Tests sollte die Impfbereitschaft schlagartig erhöhen.

Hat leider nicht funktioniert. Großzügiges Boostern der Frühgeimpften soll helfen, was man sich schon im Sommer hätte ausrechnen können. Leider sind viele Impf- und Testzentren geschlossen. 2G galt als Lösung, doch ausgerechnet streng kontrollierende Klubs erweisen sich als Superspreader. Dänemark feierte ausgelassen den Freedom Day; zwei Monate später herrscht dort wieder Alarmstimmung. Und die Grippewelle kommt erst noch.

Wir müssen im Gespräch bleiben

Nein, es wird wieder kein sorgloser Winter werden, sondern das anstrengende Hin und Her. Vermutlich die einzig belastbare Prognose. Was wir tun können? Im Gespräch bleiben, ohne Zorn, ohne Gräben weiter aufzureißen. Eine gewaltige Aufgabe, für alle.

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