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SPD-Doppelspitze: Entlastung für Leonhard

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Stephan Steinlein ist stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

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Foto: HA / Mark Sandten

Die SPD entscheidet sich für eine Doppelspitze – um Parteichefin Melanie Leonhard zu entlasten. Das ist gut so.

Bei den Grünen hat sie Tradition, bei der Bundes-SPD arbeitet sie – wenn auch aus der Not geboren – erfolgreicher als erwartet, und selbst in der Bundes-CDU mehren sich Stimmen, die sie einfordern: die Doppelspitze. Jetzt hat sich auch die Hamburger SPD dazu entschlossen, wenngleich aus ganz anderen Überlegungen – um Parteichefin Melanie Leonhard zu entlasten.

Die 44-Jährige ist nicht nur die Chefin der größten Hamburger Behörde, sondern seit Olaf Scholz’ Wechsel nach Berlin in Doppelfunktion auch die der größten Partei in der Stadt. Damit nicht genug, sagte sie, Mutter eines kleinen Jungen, auch nicht Nein, als der Bürgermeister sie nach dem Abgang von Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks in die Pflicht nahm.

Hamburger SPD mit Doppelspitze - gut so

Deren freiwilliger Abschied mitten in der Pandemie hatte für Peter Tschentscher durchaus etwas Positives: Er musste die SPD-Senatorenriege nach dem Erstarken der Grünen bei der Wahl 2020 nicht umbilden. Stattdessen strich Tschentscher das eigenständige Gesundheitsressort, billigte den Grünen einen zusätzlichen Senatsposten zu – und hängte Leonhard Prüfer-Storcks Aufgaben auch noch um. Nur: Auf Dauer kann diese Doppel- und Dreifachbelastung nicht funktionieren. Erst recht nicht in einer Pandemie.

Vieles, was Parteichefs leisten, wird in der Öffentlichkeit gar nicht gesehen. Die Sitzungen auf Orts-, Bezirks- und Landesebene, die unendlichen internen Moderationsprozesse, die Kommunikation von der Parteijugend bis zu den Senioren. Anders als viele politische Mitstreiter hat Leonhard die Ämter nie angestrebt, sie hat sie übernommen, als sie gefragt wurde. Sie wurde dabei auch nicht von eigener Eitelkeit getrieben. So hat sich Leonhard in der SPD eine andere Verankerung erarbeitet als ihr Vorgänger. Scholz wurde geachtet, respektiert, vielfach auch gefürchtet. Leonhard wird in der SPD fast schon geliebt, wie ein Sozialdemokrat gestern erst sagte.

Umso größer die Erleichterung in der Partei, dass sie überhaupt an deren Spitze weitermacht. Wozu Führungsschwäche führt, hat die Hamburger SPD in den zehn Jahren nach dem Machtverlust 2001 erlebt: Selbstzerfleischung und Opposition.

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