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Drittimpfungen: Neuer Piks, alte Gefahren

Christoph Heinemann ist Chefreporter des Hamburger Abendblatts.

Christoph Heinemann ist Chefreporter des Hamburger Abendblatts.

Foto: Monika Drews / HA

Die Auffrischungsimpfungen zum Schutz vor dem Coronavirus laufen gut an, aber es warten Risiken.

Wer das traurige Pandemie-Frühjahr noch im Hinterkopf hat, kann mit Blick auf die Drittimpfungen nur einen Wunsch haben: Dass einmal endlich alles so funktioniert, wie es soll. Tatsächlich entscheiden die Auffrischungsdosen in den kommenden Monaten über deutlich mehr als die Gesundheit besonders gefährdeter Gruppen. Mit der beherzten Empfehlung für Hamburger über 70 Jahren ist ein guter Anfang gemacht. Ganz mühelos wird die „Booster“-Kampagne aber sicher nicht.

Booster-Impfungen für ältere Hamburger

Die Ständige Impfkommission wägt die Daten gern ausführlich ab, bevor sie weitreichende Empfehlungen trifft. Das ist einerseits richtig, führt aber auch dazu, dass die zweite Impfung einiger älterer Hamburger bereits länger als sechs Monate zurückliegt, wenn nun das Angebot zur Auffrischung kommt. Hamburg hat dabei früh mit den „Booster-Impfungen“ begonnen – und bei einem möglichen Nachlassen des Impfschutzes von jungen Leuten ist derzeit noch keine „Gefahr im Verzug“, wie Senatorin Melanie Leonhard (SPD) sagt. Das kann und wird sich aber ändern: Wenn die Stiko feststellt, dass der Impfschutz der Masse von Impflingen aus dem Sommer eben auch zu ähnlicher Zeit nachlässt.

Dann muss der Staat vorbereitet sein. Ohne Dissonanzen ist die so wichtige Zusammenarbeit von Bund und Ländern aber noch immer nicht: Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) etwa kündigte fröhlich das Ende der „pandemischen Lage“ an, während der Senat davor warnt, danach ohne Rechtsgrundlage für nötige Auflagen dazustehen. Auch weitere Gefahren müssten bekannt sein: eine Trägheit bei der Impfung, wenn das Virus im Alltag keine große Rolle mehr spielt – und der falsche Glauben, in Deutschland werde man eine Impfkampagne schon schaukeln.

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