Meinung
Dohnanyi am Freitag

Autos halten das Land zusammen

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Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi und Matthias Iken, stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi und Matthias Iken, stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

Foto: Sven Simon/Andreas Laible / imago images/HA

Hamburgs Altbürgermeister im Gespräch mit Matthias Iken. Heute über Mobilität.

Matthias Iken: In München ist die IAA zu Ende gegangen – machen Sie sich Sorgen um die Automobilindustrie?

Klaus von Dohnanyi: Der tiefe Umbruch in Wissenschaft, Technik und Gesellschaft macht einem überhaupt politisch Sorgen: Wie wird Deutschland das durchstehen? Da sind ja nicht nur die leicht entflammbaren Leute, die man über diese Handy-Quatschtüten in München gegen die Autoindustrie auf die Straßen gebracht hat. Man bekommt sie genauso schnell für jede dumme Sache, gegen Impfen, gegen Elbebaggern, gegen die Unternehmer. Wo das Geld dann herkommt, muss man ja nicht wissen – man muss es nur bekommen. Die Automobilindustrie steckt auch deswegen in einer schwierigen Lage, weil sich fast niemand mehr traut zu sagen, dass ein Flächenland wie Deutschland seinen Zusammenhalt nur mit dem Auto bewahren kann. Frau Merkel war da immer sehr entschieden und mutig. Sie wusste: Nicht jeder Opa kann auf dem Fahrrad von Lüneburg nach Hamburg. Dieser grüne Unsinn ist unverantwortlich – und unwählbar.

Iken: Inzwischen sind aber beträchtliche Teile der Gesellschaft autokritisch, geradezu autofeindlich …

Dohnanyi: In der engstirnigen politischen Debatte der Großstädte ist das wohl so; da kauft man sich die Anpassung in der Parteischneiderei. Aber auf dem Lande ist es dann doch anders. Die erleben den Wegzug der Geschäfte und die Entfernung der Arbeitsplätze, was bleibt da übrig? Die Wohnungen in der Nähe der Arbeitsplätze sind zu teuer, also muss das Auto her. Ich hoffe, wenn das Elektroauto zur Mode wird, entsteht vielleicht wieder eine etwas andere Stimmung. Wer hat dann den neuesten Typ? Für Tesla gilt das schon heute. Aber das Auto bleibt am Ende sowieso wie Messer und Gabel: Es gehört zum täglichen Besteck, als Besitz, als „share“, als Leihwagen. Auf Mobilität wird die Gesellschaft nicht verzichten!

Iken: Alle großen Hersteller setzen nun auf den Elektromotor – eine weise Entscheidung?

Dohnanyi: Die Nutzung des Autos setzt eine erhebliche Infrastruktur voraus; heute Tankstellen, Werkstätten, Ersatzteillager usw. Die Klimadebatte zwang zu einem Treibstoffwechsel; die Alternative Wasserstoff ist technisch noch unreif und sehr stromintensiv, aber ein Wechsel von der CO2-Abhängigkeit musste her. Also hat sich die ganze Welt für den Elektroantrieb entschieden, der übrigens vor mehr als 120 Jahren schon einmal durch den Amerikaner Edison als Alternative zum Verbrennungsmotor zur Debatte stand. Schon wegen des jetzt weltweiten und sehr teuren Ausbaus der Elektro­infrastrukturen könnte es für lange Zeit dabei bleiben.

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