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Staus in Hamburg – steckt eine Absicht dahinter?

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Stephan Steinlein ist stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

Stephan Steinlein ist stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

Foto: HA / Mark Sandten

Baustellen legen in der Hansestadt den Verkehr lahm. Dabei verdankt Hamburg die Staus nicht nur den Autofahrern.

Hamburg. „Das nervt ja schon.“ Knapp drei Jahre ist es her, dass Bürgermeister Peter Tschentscher mit diesem Geständnis überraschte. Gemeint war nicht etwa der politische Gegner. Das, was da nervte, waren die vielen Baustellen und hausgemachten Dauerstaus, in denen die Hamburger im Herbst 2018 standen. Und wie das vor Wahlen oft ist – damals standen die zu den Bezirksversammlungen an –, versprachen Tschentscher, Leonhard und Dressel selbstverständlich Abhilfe. Sich den Sorgen der Hamburger widmen zu wollen, kündigten neben dem Bürgermeister auch die Landeschefin und der Finanzsenator beim SPD-Parteitag an.

Neue Baustellenkoordinatoren versprachen sie. Denn es sollte ein Ende haben damit, dass Landesverkehrsplaner die Straße A aufreißen, der Bezirk sich gleichzeitig die Ausweichstrecke B vornimmt und sich die Energieversorger auf der nahe gelegenen Straße C gütlich tun. Was sich seither getan hat?

Staus in Hamburg: Womöglich steht ein System hinter der Verkehrspolitik

Gefühlt nichts, außer dass es seit der Neuauflage der Koalition einen grünen Verkehrssenator gibt, dessen Hauptaugenmerk in der Wirtschaftsmetropole der Eröffnung eines Radweges gilt. Kritiker dieser Verkehrspolitik sehen hinter dem, was seit Ende von Lockdown und flächendeckendem Homeoffice täglich offenbar wird, System statt Unfähigkeit: Ein System, den Autoverkehr Straße um Straße unattraktiver zu machen, um die Menschen zwangszubeglücken und in Bus und Bahn zu drängen.

Hamburg steht im Stau – ja, dazu tragen all die Menschen bei, die mit dem Pkw unterwegs sind. Für die einen sind die Fahrten alternativlos, für die anderen womöglich überflüssiges Festhalten an alten Gewohnheiten. Aber nicht nur den Autofahrern verdankt Hamburg die Staus, sondern auch der Politik, die es nicht besser kann oder vielleicht auch nicht anders will.

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