Meinung
Leitartikel

Grundschüler sind die Pandemie-Verlierer

| Lesedauer: 4 Minuten
Sophie Laufer, Redakteurin im Hamburg-Ressort
Die Autorin ist Redakteurin beim Hamburger Abendblatt

Die Autorin ist Redakteurin beim Hamburger Abendblatt

Foto: Andreas Laible / HA

Kaum jemand leidet so sehr unter Corona wie Grundschüler. Wir können ihnen helfen.

Hamburg. Es geht wieder los mit den Mails, die keiner bekommen möchte. Mails mit dem Betreff „Corona-Fall in unserer Klasse“, die für die Empfänger selten etwas Gutes bedeuten. Die betroffenen Eltern entspannen sich erst wieder, wenn zumindest ihr Kind dieses Mal nicht in Quarantäne muss. Dafür werden andere Jungen und Mädchen aus der Klasse zu Hause für zwei Wochen eingesperrt.

Die Grundschüler werden in den kommenden Wochen und Monaten am meisten unter der Pandemie leiden, so sehr wie keine andere Bevölkerungsgruppe. Für alle unter zwölf Jahren gibt es nach wie vor keinen zugelassenen Impfstoff, daran dürfte sich auch in diesem Jahr nichts mehr ändern. Betroffene Eltern können die Kleinen, auch wenn sie wollten, also nicht gegen das Coronavirus schützen.

Kinder werden sich irgendwann mit Corona infizieren

Das heißt streng genommen: Vermutlich wird sich ein Großteil der Jungen und Mädchen bis 12 Jahren irgendwann infizieren, und die Eltern können nur darauf hoffen, dass sie wie bisher nicht schwer an Covid-19 erkranken.

Und das ist nicht das einzige Pro­blem: An einen geregelten Grundschulbetrieb dürfte angesichts der hochansteckenden Delta-Variante kaum zu denken sein – schon gar nicht im Herbst und Winter. Schließlich muss jedes Kind bei jedem Corona-Fall in seinem näheren Umfeld für zwei Wochen zu Hause bleiben. Die Frage ist nur: Wie oft? Einmal, zweimal, dreimal? Und immer wieder keine Schule, keinen Sport, nicht einmal Kontakte mit Gleichaltrigen?

Dezimierte Klassen als Alltag in Grundschulen

Klassen, die immer wieder dezimiert sind, könnten zum Alltag in den Grundschulen werden – und das, obwohl sich gerade die Erstklässler so auf die Schule gefreut haben.

Jetzt lernen sie, dass es sogar gefährlich sein kann, gemeinsam zu frühstücken, weil man dafür ja im Innenraum die Masken abnehmen muss. Es soll Lehrerinnen geben, die sich vorgenommen haben, mit ihren Klassen solange es geht immer draußen zu essen …

Maskenpflicht in den Schulen

Drinnen, das nur zur Erinnerung, müssen die Kleinen von morgens bis abends mindestens OP-Masken tragen. Was macht das mit einem gerade sechs Jahre alten Kind, das die Gesichter seiner Mitschüler nie richtig sehen oder gar kennenlernen kann – außer vielleicht in den Pausen auf dem Schulhof? Was macht es mit den Kleinen, wenn morgens die einzig wichtige Frage ist: Mama, hast du mir eine Maske eingepackt? Und was macht es langfristig mit der Freude am Lernen, die ja gerade erst geweckt werden soll?

Corona verlangt ausgerechnet den Kleinsten in unserer Gesellschaft alles ab. Während die Erwachsenen dank der Impfungen Schritt für Schritt mehr Freiheiten genießen, hangeln sich Grundschüler mit Pech von Quarantäne zu Quarantäne.

Viele Grundschüler werden in Quarantäne landen

Das ist ungerecht, zumal es zumindest vorerst keine Lösung für die geschilderten Probleme gibt -- egal wie achtsam die Familien auch sind. Egal wie gewissenhaft die Jungen und Mädchen Maske tragen, Hände waschen oder Abstand halten.

Viele von ihnen werden in Quarantäne landen oder an Covid-19 erkranken. Die Einzigen, die dieses Risiko minimieren können, sind wir, die Erwachsenen, ob wir nun selbst Kinder haben oder nicht. Je mehr von uns sich impfen lassen, desto weniger sind mögliche Überträger des Virus. Nach all dem, was unsere Kinder gerade auf sich nehmen müssen, ist das doch nicht zu viel verlangt.

Impfung zum Wohl der ganzen Gesellschaft

Sich impfen zu lassen ist eine persönliche Entscheidung zum Wohl der ganzen Gesellschaft – sie kann zum Beispiel dafür sorgen, dass Kinder möglichst schnell wieder ganz normal in die Schule gehen können.

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