Corona

Steigende Inzidenz: So geht es an Hamburgs Schulen weiter

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Die Maskenpflicht an Hamburger Schulen bleibt bestehen. Die Klassenräume werden bis zum Herbst mit Luftfiltern ausgestattet.

Die Maskenpflicht an Hamburger Schulen bleibt bestehen. Die Klassenräume werden bis zum Herbst mit Luftfiltern ausgestattet.

Foto: izusek / Getty Images/iStockphoto

Interner Lagebericht zeigt: Infektionen bei Schülern vor allem im privaten Umfeld. Senat lehnt mobile Impfteams für Schulen ab.

Hamburg.  Für Hamburger Eltern ist die Frage ein ständiger Begleiter: Läuft das neue Schuljahr angesichts der Delta-Variante wirklich wie geplant und weitgehend ohne erneutes Homeschooling ab? Zehn Tage nach Beginn des Regelunterrichts ist die steigende Corona-Inzidenz auch an den Schulen spürbar – deutlich getrieben durch die Reiserückkehrer. Senator Ties Rabe (SPD) äußert deshalb Kritik an einer zu späten Reaktion des Bundes. In der Praxis sind die Behörden aber bemüht, den Unterricht auch bei bestätigten Fällen so weit wie möglich aufrechtzuerhalten.

Wie aus einem internen Lagebild des Krisenstabes hervorgeht, wurden bis Dienstag insgesamt 205 Corona-Fälle bei Schülerinnen und Schülern registriert – dagegen gab es nur fünf Infektionen bei Lehrkräften und anderen Mitarbeitern. Die Fälle verteilen sich auf 101 Schulen, mutmaßlich handelt es sich also um einzelne Betroffene, die sich im Laufe der Sommerferien angesteckt haben. Wie viele Fälle bis zum Freitag noch hinzukamen, kann laut Schulbehörde erst zu in der kommenden Woche nach einer „qualitätsgesicherten Auswertung“ mitgeteilt werden. Zu Wochenbeginn gab es etwa ein Dutzend neue Infektionen pro Tag. Durch die in dieser Woche hinzugekommenen Erstklässler könnten die Zahlen absehbar noch zumindest vorübergehend angestiegen sein.

Keine unkontrollierten Corona-Infektionen an Schulen

Bis einschließlich Donnerstag gab es laut Schulbehörde „in zwölf Klassen Quarantänemaßnahmen“. Ein Infektionsfall bedeutet aber selbst dann nicht automatisch eine Isolation für alle Mitschüler, wenn das infizierte Kind vor dem positiven Test noch in der Schule war. „Hier wird im Einzelfall etwa geschaut, in welchem Stadium die Erkrankung und damit die Infektiosität ist“, erläutert Martin Helfrich von der Sozialbehörde. Auf dieser Grundlage entschieden die Gesundheitsämter, wie viele weitere Kinder oder Jugendliche in Quarantäne müssen. So oder so gehe der Lehrbetrieb weiter. „Wenn eine Klasse in Quarantäne versetzt wird, wird diese Klasse für den Zeitraum der Quarantäne im Fernunterricht beschult“, so die Schulbehörde. „Die Schulen treffen dafür organisatorisch praktikable Regelungen.“

Schulsenator Ties Rabe betonte gegenüber dem Abendblatt, dass von unkontrollierten Infektionen in den Schulen keine Rede sein könne. „Die bislang von den Familien gemeldeten Infektionen bei Schülerinnen und Schülern haben sich fast ausschließlich schon vor Beginn des Schulbetriebs im privaten Umfeld ereignet, wahrscheinlich überwiegend beim Aufenthalt in Hochrisiko- oder Virusvarianten-Gebieten beziehungsweise in der Folge davon“, so Rabe.

Corona-Infektionen dank Schultest schnell entdeckt

Dank der umfangreichen Schultests würden diese Infektionen künftig schnell entdeckt. Das Sicherheitskonzept sei verlässlich – trotzdem beobachtet man die Entwicklung aufmerksam. „Die Entwicklung an den Hamburger Schulen zeigt, dass es vom Bund mehr als fahrlässig war, die Corona-Einreiseregeln erst spät und für Hamburg zu spät anzupassen“, sagt Rabe. „Das rächt sich jetzt.“

Trotz der Delta-Variante wird in anderen Bundesländern über Lockerungen der Auflagen an Schulen diskutiert – Mecklenburg-Vorpommern hat angekündigt, die Maskenpflicht für Schüler abschaffen zu wollen. In Hamburg ist das auch mit Blick auf die Reiserückkehrer „bis auf Weiteres“ nicht vorgesehen, wie die Schulbehörde auf Anfrage mitteilte.

GEW rät zur Beibehaltung der Maskenpflicht

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) rät dringend dazu, die Maskenpflicht an Hamburger Schulen beizubehalten. Die AHAL-Regeln müssten weiter gelten, sagte der GEW-Landesvorsitzende Sven Quiring dem Abendblatt. Dreimal statt bisher zweimal pro Woche die Schüler zu testen hält die GEW für wünschenswert.

„Wir hätten uns außerdem gewünscht, dass mit dem Einbau von Luftfiltern früher begonnen worden wäre“, so Quiring. Laut Schulbehörde sind bislang 730 Unterrichtsräume mit solchen Geräten ausgestattet – bis zu den Herbstferien soll es „ein Großteil“ der Klassen sein. Grundsätzlich ist für die Gewerkschaft auch eine Rückkehr zum Wechselunterricht kein Tabu, sollte sich die vierte Welle schlimmer entwickeln als gedacht.

Kein Impfangebot an Schulen vorgesehen

Den Schutz der Schülerinnen und Schüler mit einem Impfangebot in den Schulen zu forcieren ist in Hamburg vorerst kein Thema. Die Gesundheitsbehörde verweist auf die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission. Wie es in Senatskreisen heißt, wolle man keine „Erwartungshaltung“ an Jugendliche unter 16 Jahren aufbauen, sich impfen zu lassen. Deshalb setze man auf Impfungen in Arztpraxen und spezielle Impfzentren in Kliniken.

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In Schleswig-Holstein sieht die Landesregierung dies ganz anders. Bildungsministerin Karin Prien (CDU) stellte auch eine Umfrage zum Impfstatus unter den Lehrkräften an 55 repräsentativ ausgewählten Schulen vor. Ein Zwischenstand bei knapp 2400 Antworten sei, dass 96 Prozent der Lehrkräfte bereits ihre erste Impfung erhalten haben.

Appell an Erwachsene in Hamburg: Impfen lassen!

„Die Schülerinnen und Schüler waren anderthalb Jahre solidarisch und haben auf viel verzichtet“, betonte Prien. Jetzt sei es an allen Erwachsenen, Solidarität zu zeigen und sich impfen zu lassen, damit die Kinder ein sicheres Präsenzschuljahr haben. „Es wäre weder rechtlich noch ethisch vertretbar, wenn Schülerinnen und Schüler auf Präsenzunterricht verzichten müssen, weil Erwachsene sich nicht impfen lassen wollen.“

Die Maskenpflicht gilt in Schleswig-Holstein vorerst weiter. „Das Kabinett wird erst in der kommenden Woche über die neue Verordnung entscheiden“, sagte Prien. Es gelte außerdem der „Schnupfenplan“. Wenn Kinder Symptome zeigen, sollen sie zum Arzt gehen und gegebenenfalls getestet werden. Von rund 500.000 Tests pro Woche seien bis dato 172 positiv gewesen.

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