Meinung
Leitartikel

Elbdome: Hamburger Senat muss jetzt entscheiden

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Rainer Grünberg
Abendblatt- Sportredakteur Rainer Grünberg

Abendblatt- Sportredakteur Rainer Grünberg

Foto: Ha / HA / Mark Sandten

Verkehrsknotenpunkt oder Elbdome – das ist auf der Veddel die Gretchenfrage. Welches Unternehmen bekommt Zuschlag für das Grundstück?

Hamburg. Ein Dilemma, auch Zwickmühle, bezeichnet eine Situation, die zwei Möglichkeiten der Entscheidung bietet, die beide zu einem unerwünschten Resultat führen. Auch der Zwang zu einer Auswahl zwischen zwei positiven Möglichkeiten kann ein Dilemma darstellen. Besser als Wikipedia kann man es wohl nicht beschreiben, wie sich der Hamburger Senat fühlen dürfte, muss er beschließen, welchem Unternehmen er das begehrte Grundstück vor dem S-Bahnhof Veddel/Ballinstadt zuschlägt.

Die stadteigene Hochbahn AG will hier einen zukunftsweisenden Verkehrsknotenpunkt errichten, der Hamburger Projektentwickler Tomislav Karajica (Home United) dort eine Mehrzweckhalle für 8000 Besucher bauen, den Elb­dome, komplett privatwirtschaftlich finanziert. Beide Projekte haben in der Stadt ihre Berechtigung.

Das Problem dabei: Beide Investoren glauben, auf der Veddel den aktuell bestmöglichen Standort gefunden zu haben. Die Hochbahn ist hier mit einer Buskehre bereits zu Hause, Home United wurde das Gelände von den Behörden empfohlen, nachdem umfangreichere Pläne an der S-Bahn-Station Elbbrücken scheiterten.

Hamburg fehlt für Sport- und Kulturveranstaltungen ein modernes Eventzentrum

Unbestritten bleibt: Der wachsenden Metropole Hamburg fehlt für Sport- und Kulturveranstaltungen zwischen der Sporthalle Hamburg in Winterhude mit bis zu 4500 Plätzen und der mehr als dreimal so großen Barclaycard Arena am Volkspark ein modernes Eventzentrum der Größe des Elbdomes, technisch und digital auf dem neuesten Stand – den die Barclaycard Arena längst nicht mehr bietet. Eine unkomplizierte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr wäre dazu auch aus ökologischer Sicht optimal. Auf der Veddel gäbe es sie.

Für die Bundesliga-Basketballer der Hamburg Towers ist eine Spielstätte dieser Dimension existenziell, will sich der junge Verein in der Ersten Liga etablieren, irgendwann mal um die deutsche Meisterschaft werfen und in Europa auf Korbjagd gehen. Die Towers trauen sich das zu – wenn die dafür notwendige In­frastruktur steht. Die Rathaus-Koalition aus SPD und Grünen sieht das offenbar ähnlich. Sie schrieb die Realisierung des Projekts Elbdome vor einem Jahr in ihren Koalitionsvertrag, weil die Towers „ein Aushängeschild der Stadt“ seien. Entsprechendes gilt für den ambitionierten Handball Sport Verein Hamburg, der sich anschickt, im Sommer in die Bundesliga zurückzukehren.

Dass Sport Stadtteilentwicklung beschleunigen kann, haben die Towers in den vergangenen sieben Jahren in Wilhelmsburg bewiesen. Sie sind getreu ihrem Motto „More than Basketball“, mehr als Basketball. Sportdirektor Marvin Willoughby wurde 2015 für sein soziales Engagement mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. In Wilhelmsburg grüßt ihn jedes Schulkind. Würde den Towers auf der benachbarten Veddel ebenso viel Anerkennung zuteil, könnte der Stadtteil durch den Elbdome nur gewinnen.

Einen Verlierer sollte es bei diesem Dilemma nicht geben

Die Frage aber, warum Hochglanz-Projekte nötig sind, um selbstverständliche urbane Entwicklungen voranzutreiben, ist berechtigt. Genau diese Problematik ließ vor fünf Jahren die Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger gegen die Olympiapläne der Stadt stimmen, weil es an den sportlichen Basics, intakte Hallen und Plätze, die inzwischen geschaffen werden, mangelte. Insofern führt die Hochbahn bodenständigere Argumente an.

Fatal wäre es allerdings, ließe sich der Senat mit seiner Entscheidung noch mal Zeit. Nicht nur (private) Investitionen in vielfacher Millionenhöhe lägen weiter brach, der Active City, nicht gerade gesegnet mit Vorzeigeclubs, ginge eine attraktive Perspektive verloren. Sollte auf der Veddel aber kein Platz für den Elbdome sein, bedarf es umgehend einer Alternative. Einen Verlierer sollte es bei diesem Dilemma nicht geben.

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