Meinung
Kommentar

Impfkritik: Berechnend – aber berechtigt

| Lesedauer: 2 Minuten

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher übt kalkulierte Kritik an Impfproblemen.

Es war nur eine Frage, aber für seine Verhältnisse ein verbales Geschoss: „Wie soll man da die Impfungen planen?“, schrieb Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) bei Twitter mit Verweis auf neue Lieferprobleme beim Moderna-Impfstoff. Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) postete derweil eine Montage des Bundeswirtschaftsministers mit Schlafmütze auf dem Kopf, weil die Corona-Hilfen noch immer auf sich warten ließen. Die SPD im Senat probt den Aufstand gegen das Krisenmanagement der CDU im Bund. Das ist ein Stilbruch und eine Auftaktfanfare im Wahlkampf. Aber inhaltlich genauso wenig falsch, wie es Zufall ist.

Dass es bei beiden Themen massive politische Fehler gegeben hat, ist evident. Sie sind an der bescheidenen Impfquote abzulesen wie an der Tatsache, dass noch im Januar über die Umsetzung von Novemberhilfen gesprochen wird. Es hängen Existenzen daran – und Leben. Und es ist das gute Recht auch der Hamburger SPD, im längst begonnenen öffentlichen „Blame Game“ klarzustellen, wie denn die Zuständigkeiten verteilt wurden: Der Bund sorgt für den Stoff, die Länder für Verteilung.

Die Replik der CDU, Tschentscher solle statt öffentlicher Twitter-Schelte nun „helfen, die Probleme lösen“, verfängt da nur bedingt. Wenn der Koch im Restaurant beim Zutatenkauf die Hälfte vergessen hat, ist es auch nicht zuerst am Kellner, die Teller doch schnell zu füllen. Genauso wenig hilft es, wenn beide gemeinsam die Lage schönreden.

Tonfall und Zeitpunkt der Kritik kann man dagegen zu Recht kritisieren. Gerade ein Senat, der sich gern seriös abwägend gibt, sollte sorgsam wählen. Und sich selbst nichts vormachen: Wenn die Probleme nicht abgestellt werden, trifft der Zorn die gesamte politische Klasse. Tschentscher wird am besten wissen: Um die Probleme zu bewältigen, müssen alle Beteiligten vernünftig miteinander reden können.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Meinung