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Boxkampf Tyson gegen Jones: Bitte schaut weg!

Steigen noch einmal gegeneinander in den Ring: Die Altmeister Roy Jones jr. (l.) und Mike Tyson.

Steigen noch einmal gegeneinander in den Ring: Die Altmeister Roy Jones jr. (l.) und Mike Tyson.

Foto: AFP

Den Showkampf der Altmeister unter dem Dach des kalifornischen Verbands auszutragen, ist schlicht verantwortungslos

"Wer mit Mike Tyson in den Ring steigt, der muss wissen, dass das kein Spaß ist.“ Roy Jones jr. hat diesen Satz gesagt, der zumindest impliziert, dass ein Rest Hirn übrig ist im Kopf des 51-Jährigen. Was unweigerlich zu der Frage führt, warum sich der Mann, der Boxweltmeister in fünf Gewichtsklassen war und zu seinen Glanzzeiten um die Jahrtausendwende mit seinem Bewegungstalent die Fans entzückte, diesen Rest nun aus dem Schädel prügeln lassen will.

Nichts anderes steht zu befürchten, wenn in der Nacht zum Sonntag (2.30 Uhr) die gealterten Superstars im Staples Center von Los Angeles miteinander das Seilgeviert teilen. Als Showkampf ist das Ganze zwar angekündigt, es wird über acht Runden à zwei Minuten (statt zwölfmal drei) geboxt. Um einen Knockout auszuschließen, sind die Handschuhe stärker gepolstert, bei einem Cut wird sofort abgebrochen. Die Protagonisten sind aufgefordert worden, Rücksicht aufeinander zu nehmen. Aber Boxen ist nicht Fußball, wo Altherrenspiele durchaus einen Spaßfaktor bei geringem Gefahrenpotenzial bieten. Boxen ist gefährlich; mit zunehmendem Alter, wenn die Reflexe nachlassen, umso mehr. Dass der kalifornische Verband das Duell sanktioniert, ist schlicht verantwortungslos.

Fans wollen keinen streichelnden Tyson

Ja, Tyson hat viel Marihuana geraucht in den vergangenen Jahren, er hat seine Dämonen zu bekämpfen und Frieden mit sich zu finden versucht. Aber den 54-Jährigen, der in seiner besten Zeit seine Rivalen im Ring und außerhalb dessen zerstörte, um Rücksicht zu bitten, ist genauso sinnvoll wie ein Krokodil zu ersuchen, seine Beute nicht ganz so kräftig zu beißen. Und niemand, der in den USA 49,90 Dollar oder in Deutschland 20 Euro ausgibt, um den Kampf bei Sky live zu sehen, tut das, um Zeuge zu werden, wie Tyson Jones in den Schlaf streichelt.

Deshalb kann es für jeden, der den Boxsport liebt, nur eine Konsequenz geben: keine Sekunde dieses fragwürdigen Spektakels anschauen! Es ehrt Tyson, dass er seine Börse von zehn Millionen Dollar für Obdachlose und Süchtige spenden möchte. Sinnvoller jedoch wäre es, er würde langfristig an Schulen oder in Vereinen Kinder und Jugendliche anleiten, wie sie über das Boxen Respekt und Regeln erlernen und die Fehler vermeiden können, die er selbst begangen hat, anstatt mit einem verrückten Showkampf den nächsten zu begehen.