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HSV gegen St. Pauli: Das traurigste Stadtduell?

Alexander Laux ist Sportchef des Abendblattts.

Alexander Laux ist Sportchef des Abendblattts.

Foto: Ha / HA / Mark Sandten

Viele Fans verspüren so wenig Vorfreude wie nie. Dennoch könnte das 104. Stadtderby durchaus positiv in Erinnerung bleiben.

Es gibt triftige Gründe, die in der Überschrift gestellte Frage mit einem klaren Ja zu beantworten. Der verbotene Stadionbesuch schmerzt. Gerade vor solchen Begegnungen ist alles besonders. Die Anreise mit Anhängern des eigenen Clubs, die erwartungsvolle Vorfreude, die mit jeder Minute bis zum Anpfiff wächst. Was bereitet mehr Spaß, als, egal ob in der Kneipe oder mit Freunden vor dem eigenen Fernseher, gemeinsam über die Tore des Herzensclubs und – genauso wichtig – das Scheitern des Stadtrivalen zu jubeln? Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber in meinem Umfeld gab es wohl noch nie so wenig Vorfreude auf das ewige Duell zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli wie in dieser Woche.

Dabei hätte gerade dieses 104. Hamburger Stadtderby unsere ungeteilte Aufmerksamkeit verdient. Zwar trennen derzeit beide Clubs neun Punkte, als Favorit geht der Zweitliga-Tabellenführer aus dem Volkspark aber dennoch nicht in die Partie. Welcher HSV-Fan sich nach ein paar gewonnenen Spielen zu sicher fühlt, der sollte sich mit Demut an die Ergebnisse in der vergangenen Saison erinnern. Der amtierende Stadtmeister FC St. Pauli hat außerdem in den ersten Spielen nicht nur ungeahnte Comeback-Qualitäten bewiesen, sondern phasenweise einen überraschend mutigen Fußball präsentiert, auch auswärts. In der Mannschaft steckt erkennbar mehr Qualität als in der vergangenen Saison, als die zwei Derbysiege mit die einzigen Highlights blieben.

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Wenn also nicht alles täuscht, dürfen wir uns auf einen leidenschaftlich geführten, offenen Schlagabtausch mit viel taktischer Finesse freuen. Dies könnte, ohne lästige Randerscheinungen wie Fanausschreitungen, dazu führen, dass später einmal gesagt wird: Das Duell im Oktober 2020 war nicht das traurigste Derby aller Zeiten. Sondern das purste.