Meinung
Kommentar

Lasst die Kinder Sport treiben!

Der Autor ist Sportreporter beim Abendblatt

Der Autor ist Sportreporter beim Abendblatt

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Auswirkungen von Corona bedrohen die Talentförderung.

Finger in Wunden zu legen und Wahrheiten auszusprechen, auch wenn sie bitter schmecken, dafür ist Ingrid Unkelbach bekannt. Wenn also die Leiterin des Olympiastützpunktes Hamburg/Schleswig-Holstein im Abendblatt-Interview davor warnt, die wegen der Corona-Maßnahmen brachliegende Talentsichtung und -förderung könne dazu führen, dass dem Leistungssport eine ganze Generation verloren geht, sollte man ihr nicht nur zuhören, sondern gegensteuern.

Verständlich ist, dass in Krisenzeiten in erster Linie auf die Leistungsträger geschaut wird und darauf, ihnen Leistung zu ermöglichen. Doch während Bundesliga-Fußballer oder Olympiakader nach dem ersten Lockdown recht zügig wieder in geregelten Trainings- und Wettkampfbetrieb zurückfanden, muss der Nachwuchs teilweise bis heute auf körperliches Kräftemessen nach Regeln und das Einüben dessen, was dafür notwendig ist, verzichten. Weil Trainer ebenso fehlen wie Trainingszeiten und Trainingsstätten.

Niemandem ist vorzuwerfen, dass eine Pandemie Gewissheiten zerstört. Daraus zu lernen und die richtigen Konsequenzen zu ziehen ist jedoch unsere Pflicht. Vollkommen zu Recht sollen Schulen und Kitas nur im äußersten Notfall noch einmal flächendeckend geschlossen werden, weil wir erkannt haben, dass sie das Infektionsgeschehen nicht maßgeblich beeinflussen und Eltern verlässliche Kinderbetreuung und Kinder hochwertigen Unterricht und soziale Kontakte brauchen. Die Erkenntnis, dass Sport als Kitt der Gesellschaft und für die körperliche und geistige Entwicklung unabdingbar ist, gab es schon vor Corona und ist aktueller denn je.

Wir sollten die Kinder und Jugendlichen mindestens so lange, wie die Schulen geöffnet bleiben, miteinander Sport treiben lassen – und alles dafür tun, das zu fördern. Zu riskieren, eine ganze Generation zu verlieren, um einzelne Fälle schwerer Krankheitsverläufe zu verhindern, ist die falsche Priorität.