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HVV-Streik: Einigt euch – bitte schnell!

Andreas Dey
Andreas Dey ist Redakteur im Ressort Landespolitik.

Andreas Dey ist Redakteur im Ressort Landespolitik.

Foto: Thorsten Ahlf / HA

Einen langen Tarifstreit kann das Land nicht brauchen. Beim Zeitpunkt des Streiks fehlt es Ver.di an Empathie.

Hamburg. Tarifauseinandersetzungen sind per se darauf angelegt, einen fairen Kompromiss zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberinteressen zu finden. Insofern sind sie ein elementarer und wichtiger Bestandteil unserer demokratischen Gesellschaft, den man auch in einer Krise nicht einfach über Bord werfen darf.

Doch selten zuvor konnte diese Gesellschaft einen flächendeckenden und lang anhaltenden Tarifstreit weniger brauchen als derzeit. Die Wirtschaftsleistung bricht ein, in den Staatskassen klaffen riesige Löcher, viele Arbeitnehmer bangen um ihre Jobs, sind in Kurzarbeit, müssen Einbußen hinnehmen oder Familie und Job in einem dafür gar nicht ausgestatteten Homeoffice ausbalancieren.

Und ausgerechnet in dieser Situation fordert Ver.di 4,8 Prozent mehr Lohn – für öffentlich Beschäftigte, die von vielen der genannten Probleme wie Angst um den Job gar nicht betroffen sind. Das passt nicht in die Zeit! Parallel dazu auch noch in einem ganz anderen Konflikt Bahnen und Busse wie in Hamburg lahmzulegen ist eine Zumutung für diese ohnehin strapazierte Gesellschaft.

In diesen Punkten hat Ver.di recht

Auf der anderen Seite gilt: Dass die öffentlichen Arbeitgeber sich komplett verweigern und gar kein Angebot vorlegen, geht auch nicht. Denn natürlich müssen auch in einer Pandemie Tarifverhandlungen geführt werden, und manches Argument der Gewerkschaft ist ja richtig: etwa, dass viele Jobs im öffentlichen Dienst attraktiver werden müssen, um überhaupt noch Personal zu finden.

Oder dass ein Lohnplus immer auch der Binnennachfrage dient, die wir dringend am Leben erhalten müssen. Es schreit also alles nach einem Kompromiss, auf den jeder Tarifstreit ohnehin hinausläuft. Daher der Appell an beide Seiten: Einigt euch, und zwar so schnell wie möglich!

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