Meinung
Glosse

Mit Lederhose im Dahoam-Office

Matthias Popien ist Redakteur in der Lokalredation des Hamburger Abendblattes.

Matthias Popien ist Redakteur in der Lokalredation des Hamburger Abendblattes.

Foto: Birgit Schücking

Das Oktoberfest fällt aus – und was fällt den Bayern ein? Sie setzen sich in Tracht vor den PC. Ja, seids ihr noch gscheit!

Die Schulen – mein Gott! Wir verdrehen mal die Augen. Da wissen doch wirklich alle, dass die Sommerferien seit Jahrzehnten schon ein schmerzhaftes Ende haben und dass danach der Unterricht beginnt – und wie war es im August? Nichts war vorbereitet! Die Lehrer waren immer noch nicht immun gegen Corona, und die Schüler hatten immer noch keinen Spaß an Mathematik.

Schlimm. Aber wer glaubt, dass so etwas nur den Behörden passieren kann, der irrt. Selbst eine so durch und durch kommerzielle Organisation wie das Oktoberfest macht es nicht besser. Schon im April wurde die Bayernsause, die eigentlich am kommenden Sonnabend hätte beginnen sollen, wegen Corona abgesagt.

Oktoberfest 2020: Die Wiesn im Homeoffice

Jetzt, wenige Tage vor dem geplanten Start, kommen ein paar Depperte auf die Idee, im Internet zu einem Wiesn-Dahoam-Office-Tag aufzurufen. Ja, seids ihr noch gscheit? Wir sollen uns die Krachlederne oder das Dirndl anziehen, uns an den Schreibtisch hocken, ein Foto von dem Schmarrn machen und ins Netz stellen? So steht es tatsächlich in dem Aufruf. Münchner Lebensgefühl soll damit transportiert werden.

Kinder, das kann doch nicht wahr sein! Seit fünf Monaten wisst ihr, dass euer Fest ausfällt. Und dennoch gibt es keinen Lieferdienst für Haxn oder für Rinder-Zwerchfell aus der „Kronfleischküch“, und nirgendwo kann man die Musikkapelle Otto Schwarzfischer aus dem Schottenhamel buchen. Vergelt’s Gott, aber das geht besser. In Sassnitz, oben im Norden, liegen doch noch die Röhren für die Gaspipeline Nord Stream 2. Wie leicht hätte man daraus die Bierpipeline „Bavarian Stream“ machen und alle Büros in München anschließen können! Das Oktoberfest – mein Gott! Wir verdrehen mal die Augen.