Meinung
Kommentar

Bodycams sind ein Gewinn

Der flächendeckende Einsatz der Technik ist überfällig, findet Alexander Dinger.

Nun soll es ganz schnell gehen. Innensenator Andreas Geisel (SPD) will noch in dieser Legislaturperiode . Ein flächendeckender Einsatz bei Polizei und Feuerwehr soll danach folgen. Gut so, ein Einsatz der Körperkameras ist nämlich längst überfällig.

Wie so oft hilft auch hier ein Gespräch mit Praktikern. Zum Beispiel mit Polizisten, die an der Pallasstraße attackiert wurden. Oder mit Rettungssanitätern, auf die an der Straße des 17. Juni Raketen gefeuert wurden. Oder mit Feuerwehrleuten, die an der Hermannstraße an Löscharbeiten gehindert und bedroht worden sind. Diese Praktiker können berichten, wie es ist, wenn alltägliche Einsätze so eskalieren, dass man sich einem Mob gegenübersieht, nichts dokumentieren kann, aber gleichzeitig in Dutzende Handykameras blicken muss. Im Internet landen dann Aufnahme-Schnipsel von Einsätzen, aber selten der Sinnzusammenhang.

Auf der anderen Seite bieten Bodycams auch Schutz vor Polizeigewalt. Nämlich dann, wenn die Kamera dokumentiert, wie ein Polizeieinsatz wirklich abgelaufen ist. Das hätte zum Beispiel einem Kameramann in Brandenburg geholfen, der von Polizisten niedergerungen und des Widerstands beschuldigt wurde. Vor Gericht fiel das Lügenkonstrukt der Polizei zusammen. Der Reporter hatte eine Kamera mitlaufen lassen. Auf dem Material sah man, dass die Aggression klar von den Beamten ausging. Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Die Bodycam kann also ein Gewinn für alle Seiten sein. Wichtig ist, dass es klare Regeln für deren Einsatz gibt. Es muss festgelegt werden, wann die Kamera läuft, wann die Polizei oder die Feuerwehr aufgefordert werden kann, das Gerät einzuschalten, und dass niemand einfach so auf die Aufnahmen zugreifen kann. Nur dann hätten diese Aufnahmen Beweiskraft.