Meinung
Deutschstunde

Die letzten vier werden kleingeschrieben

Der Verfasser ist Sprachautor und früherer Chef vom Dienst des Abendblatts. Seine Kolumne erscheint dienstags.

Der Verfasser ist Sprachautor und früherer Chef vom Dienst des Abendblatts. Seine Kolumne erscheint dienstags.

Foto: Klaus Bodig / HA

Obwohl es sich dabei um die größten Vereine in Europa handeln könnte. Geben Sie Ihr O. K. nicht nach einem K. o.!

Die Mannschaft des FC Bayern München befindet sich beim Cham­pions-League-Finalturnier in der Runde der letzten vier. Oder „der letzten Vier“? Nein, klein bitte. Es handelt sich nämlich um eine elliptische Formulierung, was bedeutet, dass Teile des Satzes nicht ausgesprochen werden, die aber trotzdem im Stillen stilistisch und grammatisch ergänzt werden müssen. Vollständig hieße die Phrase (sinngemäß zusammengehörende Glieder) nämlich „in der Runde letzten vier zurzeit im Wettbewerb verbliebenen Mannschaften“.

Bei dem Wörtchen „vier“ handelt es sich in dieser Stellung um ein bestimmtes Zahlwort wie in „vier Jungen“ oder „vier Tage“. Etwas anderes wäre der Titel „Die furchtlosen Vier“, eine auf ewig zuordenbare Gruppe, die zum Hauptwort geworden ist und deshalb großgeschrieben wird. Mit einer Ellipse (Einsparungen von Redeteilen) haben wir es auch bei der Überschrift „Der Fußball wird nicht mehr der Gleiche sein“ zu tun. Wer die Übertragung der Spiele in leeren Stadien gesehen hat, wird der Aussage sofort zustimmen – doch im Hinblick auf die Rechtschreibung sollte er äußerst vorsichtig sein!

Adjektive schreibt man klein

Zwar wird „der, die, das Gleiche“ alleinstehend als substantivierte Form großgeschrieben, aber im beanstandeten Titel geht es gar nicht um eine Substantivierung, sondern um eine adjektivische Beifügung zu einem eingesparten Hauptwort. Adjektive schreibt man klein. Also müssen wir bei der Rechtschreibung unterscheiden zwischen „Das Gleiche gilt für den Handball“ und „Der Fußball wird nicht mehr der gleiche [Fußball] sein“. Manchmal tut es auch ein Kleinbuchstabe.

Doch zurück zu der Vier (groß, Hauptwort), die als Bezeichnung einer Zahl großgeschrieben wird („Sie hat in Latein eine Vier bekommen“; „eine Vier würfeln“; „die [Linie] Vier fährt zum Bahnhof“), viel häufiger und mit elliptischem Hintergrund aber klein: ein Grand mit vier [Buben]; das Mädchen ist vier [Jahre alt]; sie kommt um vier [Uhr]; es schlägt gerade vier; Punkt vier. Übrigens heißt es bei Rechenaufgaben „vier und drei macht sieben“ mit dem Verb im Singular und nicht etwa „machen sieben“.

Doch knickt der Duden mal wieder ein, um ja den Anschluss an die Umgangssprache nicht zu verlieren. Er schreibt in Band 9, bei Zahlen außer eins mit „sein“ als Prädikat komme auch der Plural vor: Vier weniger eins ist/sind drei. Um Ihr grammatisches Niveau zu betonen, sollten Sie beim Singular bleiben.

K.o.-Spiele oder K.-o.-Spiele?

Bei den derzeitigen Begegnungen der Champions League handelt es sich um K.o.-Spiele – oder gar um K.-o.-Spiele? Nur das zweite Beispiel ist amtlich richtig. Die Regel lautet: In Aneinanderreihungen setzt man Bindestriche zwischen die einzelnen Teile. Das gilt auch, wenn Buchstaben, Ziffern oder Abkürzungen Teile der Zusammensetzungen sind.

Es heißt die Links-rechts-Kombination, das 4-2-4-System, 400-m-Lauf oder 1.-Klasse-Abteil. Wenn Verbindungen aus Buchstaben und Ziffern als Einheit empfunden werden, kann man in An­ein­an­der­rei­hun­gen auf einen Bindestrich verzichten. Es ist manchmal gar nicht so leicht herauszufinden, welche Redaktion beim G7-Treffen/G-7-Treffen oder bei den G20-Krawallen/G-20-Krawallen welche Empfindungen hat. Eindeutig steht die Größenbezeichnung „A4“ etc. im DIN-A4-Blatt stets ohne Bindestrich.

Gekoppelt oder nicht, das ist manchmal die Frage

Falls Sie nun noch nicht k. o. sind (klein, knockout), könnte Sie der endgültige K. o. (groß, der Knockout = Niederschlag) beim O. K. (beides groß, das Okay = Einverständnis) ereilen. Um bei der Unterscheidung ähnlicher Abkür­zungen aus Groß- und Kleinbuchstaben kein orthografisches K. o. zu erleiden, sollten Sie die amerikanische Lautfolge aus „O“ und „K“ besser ausschreiben (Okay, okay).

Der Begriff „Landesmeister-Wettbewerb“ müsste im Deutschen gekoppelt werden, der Begriff „Champions League“ bleibt jedoch auch in deutschen Texten erst einmal vom Bindestrich verschont. Das ist bei englischen Eigennamen so üblich, etwa beim „Eurovision Song Contest (ESC)“.

Tritt aber ein deutsches Bezugswort hinzu, muss durchgekoppelt werden: Champions-League-Endspiel. Sollten die Bayern siegen, bekommen sie nicht nur den Pokal, sondern von mir auch zwei Bindestriche überreicht.

deutschstunde@t-online.de