Meinung
Frauengold-Kolumne

Masken-Muffel, Partyvolk: Verderbt Kindern nicht die Schule!

Homeschooling mit Hartz IV: Abgehängt in der Corona-Krise

Nicht einmal ein Euro ist vorgesehen im Hartz-IV-Regelsatz für Kinder und Jugendliche, wenn es um das Thema Bildung geht. Einen Rechner davon anzuschaffen, ist praktisch aussichtslos. In der Corona-Krise verschärft sich die Bildungsungerechtigtkeit.

Beschreibung anzeigen

Wenn die Maske nicht sitzt und das Partyvolk ballert, kommen als nächstes die Schulschließungen. Wie unfair, findet unsere Kolumnistin.

Berlin. Es schwirrt und schnattert derzeit auf den Straßen in den morgendlichen Stunden. Die Kinder strömen wieder in die Schulen. Auf Rädern, zu Fuß, mit Bus und Bahn. Mütter sind oft dabei und Väter, die riesige Schulranzen tragen. Dazu das schöne Wetter, das Sommerkleider, Sandalen, kurze Hosen erlaubt. Die reinste Kinderbuch-Idylle.

Die Freude über das Ende der Sommerferien war noch nie so groß wie in diesen Tagen. Und ich muss zugeben: Ich bin extrem gerührt, mit welcher Begeisterung unser Teenager-Kind in die Schule rennt. Mit am Vorabend ausgewählter Kleidung („schade, dass es so heiß ist, ich würde so gern die neue Jeans anziehen“), ordentlich beschrifteten Heftern und über den Schreibtisch gebeugten Nachmittagen.

Die Corona-Realität beendet an Schultag zwei die Idylle

Und dann, gleich am zweiten Tag, der jähe Fall in die Corona-Realität: Ein Kind aus der Unterstufe ist positiv, und die ganze Schule steht Kopf. Alle zittern: War es das mit dem Live-Unterricht im Klassenzimmer?

Im Nachbarbezirk trifft das positive Testergebnis einen Lehrer, und bis alle Schüler durchgetestet sind, bleiben erstmal die Pforten geschlossen. Unsere Schule beschränkt sich auf eine Maskenpflicht im Unterricht.

Von wegen Idylle! Corona lauert, Corona wartet, immer auf dem Sprung, die Überhand zu gewinnen über alle Vernunft, die hierzulande immer noch eine zweite Welle abwendet.

Wieso sollte Sarah Connor vor 13.000 Leuten singen dürfen?

Was mich wirklich fassungslos macht: Trotz dieser allgegenwärtigen Bedrohung wird um

Massenveranstaltungen gerungen, als hinge Leib und Leben davon ab. Bestes Beispiel: Sarah Connor und andere Barden sollen in Düsseldorf vor 13.000 Menschen singen dürfen. Wer braucht schon Sarah Connor? Dann die Debatte um Fußballfans in den Stadien.

Lesen Sie hier: Die aktuellen Corona-News im Liveblog

Es ist nicht so, dass mir Fußball wurscht ist. Ich bin schließlich in Dortmund aufgewachsen. Aber hey: Reicht nicht auch mal der Fernseher? Wir haben Krise, schon mal davon gehört? Schließlich die Grünen in Nordrhein-Westfalen, die tatsächlich ihren Parteitag mit 500 Menschen in der Westfalenhalle abhalten wollen. Seid ihr nicht die moderne Partei, für die Digitalisierung selbstverständlich sein sollte?

Lesen Sie auch: Grünen-Chefin will Lehrer auf Corona testen

Die zweite Welle droht und die Freunde feiern Hochzeit

Und jetzt werde ich privat: Ich bin auf einer Hochzeit eingeladen bei sehr engen Freunden. Es soll ein rauschendes Fest werden mit Menü, Wein, Band und Tanz bis in den Morgen, nachdem alle knapp 100 Gäste sich zwei Tage vorher einem Test unterzogen und am Eingang Fieber haben messen lassen. Doch kein Hygienekonzept bietet hundertprozentige Kontrolle. Also werde ich nicht hingehen und das lässt mein Herz bluten.

Noch mehr aber blutet es, wenn ich, während ich von meinem Balkon auf die Schule gegenüber blicke, ohne dass diese gedämpfte Mischung aus Lachen, Schreien, Toben zu mir hoch dringt, weil Corona den Unterricht lahm legt.

Trotz Corona Einschulungsfeiern in Straßencafés

Jetzt gerade feiern sie Einschulung und ich höre vor allem Erwachsenengemurmel von Eltern, Omas, Opas und Paten. In der Nachbarstraße sind auf den breiten Bürgersteigen vor den Cafés und Restaurants alle Tische reserviert für die vielen Familienfest zum ersten Schultag. Wieder rührt mich diese Freude auf die Schule.

Lesen Sie auch: Corona-Regeln: Diese Bundesländer verschärfen die Maßnahmen

Kein Fußballspiel, kein Popkonzert, kein Parteitag ist so wichtig, dass dafür der Unterricht unserer Kinder gefährdet wird. Also: Maske auf, Abstand halten, Kontakte begrenzen – das macht nicht immer Spaß, ist nicht immer schön, aber einfach, wirkungsvoll und – mangels medizinischer Alternativen wie Medikamente oder Impfungen – der einzige Schutz, den wir haben.

Und noch ein kosmetischer Hinweis: Die Maske, die nur den Mund bedeckt, betont die Nase, macht sie erst richtig groß. Die Maske, die schmuddlig am Kinn hängt, sorgt eher für Ekel als Schutz. Also: Setzt lieber eure Augen in Szene. Zieht die Masken über Mund und Nase, ihr Nasen.

Weitere Frauengold-Kolumnen: