Meinung
Zwischenruf

Applaus für die Gescholtenen!

Der Autor ist Chefreporter beim Abendblatt.

Der Autor ist Chefreporter beim Abendblatt.

Foto: Michael Zapf

Manchen Service gibt’s wirklich nur bei uns.

Hamburg. Kaum hat der Airbus aus Lissabon seine Parkposition bezogen, scheint Corona vergessen: Wie auf Kommando springt das Gros der Passagiere von den Sitzen auf und balgt sich um die besten Standorte im Gang. Suchende Griffe führen kreuz und quer in die Gepäckfächer. Von Abstand keine Spur. Dabei hatte Portugal vorgemacht, wie man Gesundheitsmaßnahmen konsequent umsetzt. Auch das Einsteigen ins Flugzeug verlief geordnet – in mehreren Sektionen.

Binnen 2200 Kilometern Luftlinie geriet offensichtlich eine Menge in Vergessenheit. Willkommen zurück in Hamburg. Nach dem Tohuwabohu an den Gepäckbändern fährt die S-Bahn Richtung Wedel pünktlich los. Vieles hat wieder seine deutsche Ordnung. An der Station Ohlsdorf schallt eine Warnung aus dem Lautsprecher: Die Kopplung mit weiteren Waggons könne ein leichtes Ruckeln mit sich bringen. Sehr fürsorglich. Und als der Zug zwischen Berliner Tor und Hauptbahnhof vorübergehend im Schneckentempo verkehrt, erklärt die sonore Stimme: Ursache ist eine Lichtzeichenanlage. Einen solchen Service gibt’s wirklich nur bei uns.

Bei den Stichworten Schnecken und Service führt das Thema mit Höchstgeschwindigkeit zur Deutschen Post. Wie sich zu Hause auf den ersten Blick herausstellt, hat das Unternehmen in Gelb ganze Arbeit geleistet. Ohne jeden Witz. Der Lagerauftrag, rechtzeitig vor Urlaubsbeginn gestellt, wurde akkurat ausgeführt. In Päckchen gebündelt und sorgsam sortiert liegt die gesammelte Post am Wunschort. Die Auftragsbestätigung kam Wochen zuvor an. Nicht per Mail, sondern auf dem – richtig – Postweg.

Applaus für jene, die sonst oft gescholten werden.