Meinung
Leitartikel

Krise der Luftfahrtbranche ist Rückschlag für Hamburg

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Wolfgang Horch
Wolfgang Horch ist Wirtschaftsredakteur beim Abendblatt.

Wolfgang Horch ist Wirtschaftsredakteur beim Abendblatt.

Foto: Michael Rauhe / HA

Die Corona-Krise am Flughafen, bei Lufthansa und Airbus hat massive Folgen für die ganze Stadt. Neues Terminal könnte Bauruine werden.

Hamburg. Für die Luftfahrtbranche in Hamburg kommen die Nachrichten in diesen Tagen Schlag auf Schlag. Am Donnerstag erfolgte die Zustimmung zur Rettung der Lufthansa mit einem neun Milliarden Euro schweren Paket. Für die mehr als 10.000 Beschäftigten des Konzerns in der Hansestadt zweifellos ein guter Tag. Die Insolvenz wurde zunächst abgewendet.

Aber auch am Flughafen konnte man aufatmen. Schließlich steht die Lufthansa für etwa die Hälfte der Passagiere in Hamburg – ein Aus hätte den Airport noch tiefer in die Krise gestürzt. Ein wichtiger Kunde wäre weg gewesen. Das zeigt, wie eng in der Luftfahrt alles mit­einander verwoben ist.

Luftfahrtbranche in Hamburg steckt in der Krise

Die Folgen der Corona-Pandemie sind für den Flughafen ohnehin hart. Mehr als 100 Millionen Euro Verlust wird er in diesem Jahr schreiben. Keine Frage: Es gibt hausgemachte Probleme. Die Ausbaupläne durften auch vor der Corona-Krise als zumindest extrem ehrgeizig bezeichnet werden.

Nun steht auf dem Vorfeld 2 ein mehr als 20 Millionen Euro teures Interimsterminal, das eventuell niemals genutzt werden wird. Es könnte eine teure Bauruine werden. Der Bau von fünf neuen Flugzeugbrücken an der Pier Süd wird verschoben. Selbst den Fluglinien, die den Ausbau über ihre Nutzungsentgelte bezahlen sollten, erschienen diese Pläne überdimensioniert.

Allerdings muss man auch zugeben, dass bis Mitte März der Luftverkehr stetig zunahm. Ein Ende war nicht in Sicht. Auch wenn die „Fridays for Future“-Bewegung einen starken Zulauf hat und die Luftfahrt als Klimakiller anprangert, stieg die Zahl der Passagiere in Deutschland auch 2019 weiter. Die Menschen wollten weiter in den Urlaub, zu Freunden oder Geschäftsterminen fliegen.

Corona-Krise stoppt Wachstum in Luftfahrtbranche

Gestoppt wurde das Wachstum erst durch die Corona-Krise. Mit einer Vollbremsung. Die weltweit verhängten Reiserestriktionen entzogen Flughäfen und Fluggesellschaften wie Lufthansa praktisch von heute auf morgen die Geschäftsgrundlage – und bringen auch Hamburgs größten Arbeitgeber ins Straucheln. Airbus musste seine Produktionsraten um ein Drittel kürzen. Wenn die Airlines keine Tickets an Passagiere verkaufen können, haben sie auch kein Geld, Flugzeuge zu kaufen.

Airbus trennte sich bereits von 1200 Leiharbeitern in der Hansestadt. Spekulationen um das Streichen von konzernweit 10.000 Stellen halten sich hartnäckig. Lufthansa Technik setzte Hunderte Leiharbeiter vor die Tür, prüft die Entlassung von 300 Beschäftigten, die noch in der Probezeit sind – und zu einem weiteren Personalabbau dürfte es auch noch kommen. Der Airport will 200 Stellen sozialverträglich abbauen.

Corona-Krise hat Jobmotor Luftfahrt abgewürgt

Das alles zeigt: Der einstige Jobmotor Luftfahrt mit überwiegend hoch qualifizierten und gut bezahlten Arbeitsverhältnissen wurde abgewürgt. Ein Anspringen ist nicht in Sicht. Das ist auch ein harter Schlag für den Staat. Die Steuereinnahmen sinken, die Ausgaben für arbeitsmarktpolitische Instrumente wie Kurzarbeitergeld steigen – und die Gewinne aus städtischen Unternehmen sprudeln nicht mehr wie zuvor.

Der Flughafen spülte zuletzt rund 20 Millionen Euro jährlich in die Kasse der Stadt Hamburg. Nun wird er wohl mit Steuergeldern gestützt werden müssen. Dabei kann er ebenso wie Lufthansa und Airbus als im Kern gesunde Firma eingestuft werden – bis die Corona-Krise kam.

Viele Menschen schreiben der Wirtschaftsmetropole Hamburg in erster Linie die Schlagworte Hafen und Handel zu. Die Luftfahrt mit mehr als 40.000 Beschäftigten und drittgrößter Luftfahrtstandort weltweit sollte nicht vergessen werden. Sie wird kräftige Unterstützung von Bund und Stadt brauchen, sonst dürfte ein wichtiger Pfeiler der Industrie an der Elbe deutlich schrumpfen.

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