Meinung
Kommentar

Grote am Pranger: Tschentschers verpasste Chance

Andreas Dey ist Redakteur im Ressort Landespolitik.

Andreas Dey ist Redakteur im Ressort Landespolitik.

Foto: Thorsten Ahlf / HA

Warum schweigt Bürgermeister zur Causa Andy Grote? Peter Tschentschers Verhalten ist ein Fehler. Ein Kommentar.

Hamburg. Die Strategie war offensichtlich. Peter Tschentscher ist in seiner ausführlichen Regierungserklärung mit keinem Wort auf die Affäre um seinen Innensenator Andy Grote eingegangen, weil er das Problem nicht noch überhöhen wollte, indem er sich als Bürgermeister dazu äußert, noch dazu in so einem würdevollen Rahmen. Tatsächlich kann man auf dem Standpunkt stehen, dass ein tagespolitisches Thema wie die möglicherweise gesetzeswidrige, mindestens aber unangemessene Feier des Senators nichts in einem hochoffiziellen Ausblick des Senatschefs auf die kommenden fünf Jahre zu suchen hat.

Und doch ist Tschentschers beharrliches Schweigen ein Fehler. Denn die nicht nur von der Opposition gestellte Frage, wie denn ein Innensenator harte und zum Teil äußerst unbeliebte Beschränkungen durchsetzen soll, wenn er es mit diesen selbst nicht so genau zu nehmen scheint, ist ja weiter unbeantwortet – und sie reicht angesichts der noch lange nicht durchgestandenen Corona-Krise durchaus in die Zukunft.

Tschentscher will Grote verzeihen

Dass der Bürgermeister, der Hamburg mit seiner vorsichtigen Haltung gut durch die Krise manövriert hat, sich über das Fehlverhalten seines Senators geärgert hat, liegt ja auf der Hand. Ebenso, dass er Grote diesen „einen Fehler“ dennoch verzeihen will – zum einen, weil der Innensenator sich für diesen nach einigem Zögern entschuldigt hat, zum anderen, weil Tschentscher seine Dienste ansonsten zu schätzen weiß.

Doch warum sagt der Bürgermeister dies nicht klar? Aus Sorge, Grote doch fallen lassen zu müssen, falls noch mehr herauskommen sollte? Oder weil die Nachfolgerin – das nächste Senatsmitglied soll ja eine Frau werden – noch gesucht wird? Die Chance, für klare Verhältnisse zu sorgen, hat Tschentscher jedenfalls verpasst. Andy Grote bleibt ein Innensenator auf Bewährung.