Meinung
Nachspiel

Dynamo Dresden, das Corona-Opfer

| Lesedauer: 3 Minuten
Ein Kommentar von Alexander Laux
Alexander Laux leitet das Sportressort des Hamburger Abendblatts.

Alexander Laux leitet das Sportressort des Hamburger Abendblatts.

Foto: Andreas Laible

Hamburg. Dass die Fußball-Bundesliga und die Zweite Liga in der kommenden Woche tatsächlich auf das Saisonfinale zusteuern, ist schon sehr bemerkenswert. Ganz sicher wird die Deutsche Fußball Liga in den Tagen vor dem 34. Spieltag in den Meinungskolumnen mit Recht bundesweit dafür abgefeiert werden, dass ihr sorgfältig ausgearbeitetes Konzept aufgegangen ist. Jüngste Umfragen zeigten, dass die anfangs von beißender Kritik begleitete Fortführung der Saison inzwischen auch in der Bevölkerung deutlich positiver aufgenommen wird.

Genauso richtig ist jedoch, dass Dynamo Dresden als der Club in die Fußballhistorie eingehen dürfte, der auf dem Rasen geopfert wurde, um den Wettbewerb durchzuziehen. Wegen einer 14-tägigen Quarantäne nach positiven Corona-Tests fand die Vorbereitung auf den Restart „auf dem Balkon statt“, wie es Trainer Markus Kauczinski plakativ ausdrückte. Anschließend musste der Zweitligist sieben Spiele innerhalb von 19 Tagen bestreiten – und verlor fünfmal. Der Abstieg der Sachsen scheint besiegelt.

Aus Dynamo-Sicht ist es nur zu verständlich, dass Abwehrspieler Chris Löwe nach dem 0:2 in Kiel am Donnerstagabend hoch emotional wurde und den Verband scharf angriff: „Wir sind am Ende die, die den Preis bezahlen für den ganzen Scheißdreck. Wir reißen uns den Arsch auf, alle drei Tage immer wieder, und die Leute sitzen in ihren 5000 Euro teuren Bürostühlen und entscheiden etwas über unsere Köpfe hinweg. Und wir sind am Ende die Idioten, die das Ganze ausbaden.“

Harte, aber auch unfaire und unwahre Worte, schließlich hat das DFL-Präsidium tagelang um die beste Lösung gerungen, um die Millioneneinnahmen und damit das Überleben der Clubs und deren Angestellten zu sichern. Dass in Sachsen das Vorgehen bei positiven Corona-Tests viel strikter war als in Nordrhein-Westfalen (Beispiel 1. FC Köln), ist ebenfalls nicht die Schuld der DFL.

Die Frage, ob der Verband (gemeinsam mit den Clubs) nicht doch einigen Handlungsspielraum wie die Option, den Abstieg auszusetzen, ungenutzt ließ, muss sich die Führung dennoch gefallen lassen. Um die Dauerbelastung der Dresdener zumindest besser zu verteilen, wäre es auch denkbar gewesen, das jüngste Montagsspiel gegen Bielefeld in die Woche zwischen dem 33. und 34. Spieltag zu legen. Oder die DFL hätte den kompletten letzten Spieltag ein paar Tage nach hinten legen können. In dieser Ausnahmesaison gibt es kein Szenario, das nicht durchgespielt werden könnte. So bleibt am Ende der Eindruck einer Wettbewerbsverzerrung.

Das alles jedoch ist vergossene Milch. Dynamo wird das Mitgefühl vieler Fußballfans in die Dritte Liga begleiten, versehen mit den Wünschen, dass dem Club der sofortige Wiederaufstieg gelingt. Und die DFL täte gut daran, in ihrer Nachbetrachtung Alternativmodelle zu entwerfen, damit es in der Zukunft nicht zu so einem tragischen Fall wie dem von Dynamo Dresden kommt.

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