Meinung
Menschlich gesehen

Johann Schwenn ist der Star-Anwalt

Bettina Mittelacher

Er hat das Mandat in einem Fall, der Millionen berührte: den der vor 13 Jahren verschwundenen dreijährigen Maddie. Doch wer den Hamburger Anwalt
Johann Schwenn dazu befragen will, erhält nur eine kurz angebundene Antwort: "Nach Akteneinsicht sehen wir weiter."

Schwenn vertritt den inhaftierten Sexualstraftäter Christian B., gegen den wegen des Verschwindens von Maddie ermittelt wird. Es ist typisch für den in Blankenese aufgewachsenen Verteidiger, sich vor Prozessen nicht in die Karten schauen zu lassen. Doch in der Verhandlung, wenn der Theater-Fan Schwenn auf der juristischen Bühne steht, ist Zurückhaltung seine Sache nicht. Da greift der 73-Jährige an, stets sehr selbstbewusst, oft mit Süffisanz und Sarkasmus.

Dass er keine Scheu hat, sich anzu­legen, zeigte Schwenn etwa im Kachelmann-Prozess, wo er Autorin Alice Schwarzer gern "Malice" nannte: die "Bösartige". Auch selbst ist er mitunter als Autor tätig, in der "Zeit" etwa über Anwälte in TV-Krimis. Sein Fazit im Bericht: "Für die Heldenrolle ist der Verteidiger die falsche Besetzung."

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