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Kommentar

Corona macht das Auto attraktiv

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Was der Senat jetzt tun muss, um gegenzusteuern.

Das Virus verändert fast alles – auch die Art, wie wir uns fortbewegen. Aus Angst vor Ansteckung meiden die Menschen nicht nur Flugzeuge und Züge im Fernverkehr, sondern auch Busse und Bahnen in den Städten. Das lässt sich auch aus aktuellen Daten des Navigationsherstellers TomTom für Hamburg ableiten. Denn danach nimmt der Autoverkehr trotz einer noch nicht überall voll hochgefahrenen Wirtschaft seit Mai deutlich zu – und zwar so stark, dass es an manchen Tagen auf Hamburgs Straßen voller war als am gleichen Tag im Jahr 2019. Der eigene Pkw erscheint auch bisherigen HVV-Nutzern wohl als sicherste Alternative, um sich nicht mit dem tückischen Virus zu infizieren.

Eine genauere Analyse der Daten offenbart Erstaunliches. An den Tagen mit besonders viel Autoverkehr im Mai und Juni schien fast durchgehend die Sonne, die Temperaturen lagen um oder über 20 Grad, Regen ist nicht verzeichnet. Es herrschte also optimales Fahrradwetter. Dass so viele Hamburger trotzdem lieber ins Auto statt aufs Rad stiegen, zeigt, dass das Radfahren längst noch nicht attraktiv genug ist. Das liegt vermutlich an den noch immer oft schlechten, lediglich eng am Autoverkehr abgepinselten oder an manchen Straßen gar nicht vorhandenen Radwegen. Womöglich war es ein Fehler, dass Hamburg – anders als andere Städte – in der Krise kaum Fahrspuren spontan für den Radverkehr umgewidmet hat.

Ein großes Revival des Autos wäre für große Städte fatal – nicht nur wegen der Dauerstaus, sondern auch wegen der Luft-, Lärm- und Klimabelastung. Um das zu verhindern, sollte die Stadt dreierlei tun: das Vertrauen in den HVV durch hohe Hygienestandards zurückgewinnen, Homeoffice zur Entlastung des Verkehrs intensiv unterstützen – und schnell Lösungen finden, die auf vielen Strecken ein sicheres und komfortables Radfahren ermöglichen.


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