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Manchmal kommt es auf die Reihenfolge an

Kolumne Deutschstunde

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Foto: HA

Satzzeichen müssen nicht nur richtig ausgewählt und gesetzt werden, sie haben auch einen festen Platz in der Riege.

Hamburg. Ich ahnte es: So schnell kann ich keinen Punkt hinter das Komma machen. Will sagen: Wer einmal das Thema „Zeichensetzung“ aufruft, kommt kaum wieder davon los, und selbst der Meister wird diesen Besen der Interpunktion nicht mehr in die Ecke stellen können.

Das Interesse der Leserinnen und Leser an diesen scheinbar so einfachen Regeln ist riesengroß, leider auch die Zahl der Missverständnisse. In vielen Zuschriften von älteren Leuten, die ansonsten ein nahezu fehlerfreies Deutsch schrieben, wurde eingeräumt, nun 70 oder 80 Jahre lang bestimmte Regeln nicht beachtet zu haben, weil sie gar nicht wussten, dass sie beachtet werden sollten. Teilweise erkannten sie einen von mir mit Absicht eingebauten Fehler nicht und fragten verblüfft, was an jener Stelle eigentlich falsch sei.

Zum Beispiel ging es gar nicht darum, Satzzeichen zu setzen, sondern bei mehreren Satzzeichen hintereinander deren vorgeschriebene Reihenfolge einzuhalten. Beispiel [die „schließende Anführung“ nenne ich im Folgenden der Deutlichkeit halber „Abführung“]: „Das Wetter ist schön,“ sagte Klaus. Über so einem Beispiel brüteten viele Leser und fanden den Fehler nicht. Falsch ist die Reihenfolge Komma/Abführung am Ende der wörtlichen Rede. Vorgeschrieben ist hier die Reihenfolge Abführung/Komma an der Schnittstelle zwischen wört­licher Rede und Begleitsatz: „Das Wetter ist schön“, sagte Klaus. Eine Kleinigkeit der Typografie, aber ein Grundsatz der Orthografie. Der Schlusspunkt dieser Satzkonstruktion steht hinter „Klaus“. Die Rede selbst bekommt innerhalb ihrer Gänsefüßchen keinen Punkt.

Handelte es sich bei der wörtlichen Rede jedoch um eine Frage oder einen Ausruf, müsste vor der Abführung ein Frage- oder ein Ausrufezeichen stehen. Die Rede ginge dann nicht so barrierefrei in den Begleitsatz über: „Bleibt das Wetter schön?“, fragte Klaus. Jetzt finden wir die drei Satzzeichen Fragezeichen/Abführung/Komma vor, und an der Reihenfolge dieser drei Satzzeichen darf nicht herumgeschüttelt werden. Das Komma zur Abtrennung des Begleitsatzes muss trotz des Fragezeichens (oder eines Ausrufezeichens) am Ende der Rede gesetzt werden. Das war früher anders. Diese neue Vorschrift ist die einzige zwingende Regeländerung der Interpunktion durch die Rechtschreibreform 1996.

Wer sich bereits bei drei Satzzeichen hintereinander vorkommt wie im Stau vor dem Horner Kreisel, den wollen wir mit der noch längeren Schlange von fünf Zeichen erschrecken: „Kennen Sie un­sere Rubrik ‚Sprechen Sie Hamburgisch?‘?“, fragte der Chefredakteur. Tief durchatmen und nachzählen: Fragezeichen/einfache Abführung/Fragezeichen/doppelte Abführung/Komma – jedes Zeichen ist nötig und hat seinen festen Platz in der Riege. Das erste Fragezeichen gehört zum als Frage formulierten Titel „Sprechen Sie Hamburgisch?“, das zweite Fragezeichen zur wörtlichen Rede in Frageform „Kennen Sie bereits unsere Rubrik?“. Sie werden zugeben, dass dieses Beispiel keinesfalls weltfremd ist. Das Gleiche gibt es auch mit Ausrufezeichen: „Lass doch das ewige ‚Ich will nicht!‘!“, schimpfte er.

Um endgültig reinen Tisch zu machen und eine weitere Leserfrage zu beantworten, wenden wir uns der Möglichkeit zu, dass der Begleitsatz weder am Anfang noch am Ende der wörtlichen Rede steht, sondern in diese eingeschoben worden ist: „Das Wetter ist so schön“, sagte Klaus, „wie seit vielen Wochen nicht mehr.“ Der Begleitsatz unterbricht die wörtliche Rede, die durch extra Ab- und Anführung „abgedichtet“ worden ist, und steht nun nicht nach einem Komma, sondern in Kommas. Ein Begleitsatz vor der Rede benötigt einen Doppelpunkt. Klaus sagte: „Das Wetter ist so schön wie lange nicht.“ Der Schlusspunkt steht innerhalb der Rede.

Wie schon oben zitiert, noch einmal die Feststellung: Eine Anführung [und Abführung – Ausdruck nicht fachsprachlich] innerhalb einer Anführung wird durch halbe Anführungszeichen [und Abführungszeichen] gekennzeichnet. Beispiel: „Mit wie vielen ‚h‘ schreibt man ‚Rhythmus‘?“, wollte er wissen.

So, besser kann ich diese Regeln nicht erklären. Allerdings endet jetzt auch meine Bereitschaft, entsprechende Anfragen per E-Mail zu beantworten.

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