Meinung
Zwischenruf

Sieben Wochen ohne? – So kommt man drum herum

Der Autor ist Chefreporter beim Abendblatt.

Der Autor ist Chefreporter beim Abendblatt.

Foto: Michael Zapf

Ein paar Wochen haben wir uns in der Tat zurückgehalten – in jeder Beziehung. Erst Niesel nonstop, Dauergrau, Februar-Blues, dann Fußballfrust, Virenwelle, Fastenzeit. Seit den Eigentoren des HSV jüngst ist Wolle tiefer auf Tauchstation gegangen als jedes russische U-Boot. Derweil Lupo über ausgeräumte Supermarktregale lamentiert, macht dem dicken Werner die bis Mitte April freiwillig verordnete Askese zu schaffen. Sieben Wochen ohne Togowaffeln und Moritz-Eiskonfekt in Würfelform können sensible Seelen aus dem Gleichgewicht bringen.

Doch Hoffnung ist nah. Ferienbedingt sind die Straßen leer. Auf allen möglichen Grasflächen ließ der Betrieb Stadtgrün Blumen pflanzen. Die Saat geht sehenswert auf. Danke schön. Und um 18 Uhr ist es fast noch hell. Die Sommerzeit steht vor der Tür. In fünf Wochen lockt Ostern.

Diese Aussicht brachte unseren pfundigen Kumpel Werner auf die (aus seiner Sicht) geniale Idee, mit einem Produktsortiment zum traditionellen Märzmenü in der Schankwirtschaft unseres tiefsten Vertrauens aufzumarschieren. Wirklich nicht, um sein Fastengelübde zu brechen, bewahre, sondern allein aus wissenschaftlichem Ansporn. Im Rahmen einer empirischen Forschung sollten schleckend Erfahrungen gesammelt werden.

Als Musterbeispiele festlicher Sinnesfreuden, aktuell überall im Angebot und vor Hamstern gefeit, präsentierte Feinschmecker Werner mit sündhaft süßem Schweinkram gefüllte Hohlkörper. Hüftgold vom Kalorienreichsten: Knickebein, Cross Buns, Fondant, in Zartbitterschokolade getunkte Geleebananen. „Schmeckt ihr die Nuancen?“, fragte er scheinheilig – und biss hinein ins zarte Glück. Selbst Wolle reagierte sprachlos. Das gab’s noch nie.