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Was die Hamburg-Wahl für Deutschland bedeutet

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Matthias Iken
Matthias Iken ist stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblattes.

Matthias Iken ist stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblattes.

Foto: Andreas Laible / HA

Ohrfeigen von der Elbe: Die Wähler fordern die Bundes-SPD und die CDU zu einem Kurswechsel auf. Desaster der FDP in einem Wort.

Die SPD kann noch gewinnen. Das ist die gute Nachricht für die neuen Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans. Die schlechte: Sie haben zum Sieg von Peter Tschentscher ungefähr so viel beigetragen wie zum Triumph des FC St. Pauli im Volksparkstadion – also nichts. Die Hamburger SPD hatte ihrer neuen Parteispitze aus dem eigenen Wahlkampf konsequent heraus gehalten.

Der Plan ging auf, für Hamburg wie für die SPD: Kevin Kühnert & Co. haben von den Wählern eine klare Botschaft bekommen. Die SPD kann noch Volkspartei, wenn sie es denn will und nicht als 13-Prozent-Sekte nur 100-prozentige Sozialdemokraten um sich schart, sondern auch Unternehmer, Bürger, Liberale und Umweltbewegte anspricht. Die SPD hätte sogar eine Chance aufs Kanzleramt, wenn sie Kandidaten der Mitte wie Olaf Scholz nach vorne schiebt.

Eindeutige Botschaft für die neue Bundes-CDU

Auch für die Bundes-CDU ist die Botschaft eindeutig. Mit der maximalen Öffnung der Partei in alle Richtungen - in Thüringen wählte man erst mit der AfD einen Ministerpräsidenten und setzt nun auf Bodo Ramelow von den Linken – wird die Partei nebulös-beliebig. Das Erfolgsrezept der Kanzlerin, die CDU zu öffnen, verwandelt sich in ein schleichendes Gift. Mit der Strategie, sich wahlweise an SPD, Grüne oder Linke zu schmiegen, gewinnt die Union keine Wähler mehr, sondern verunsichert und verschreckt ihre Stammklientel.

Und je länger sich die Suche nach einem Nachfolger für die unglückliche Annegret Kramp-Karrenbauer hinzieht, desto weiter erodiert diese „letzte“ Volkspartei.

Desaster der FDP in einem Wort: Thüringen

Das Desaster der FDP, die um den Einzug in die Bürgerschaft zittern muss, lässt sich wie die Niederlage der Union mit einem Wort umfassend erklären: Thüringen. Nicht einmal die Grünen dürfen sich als großer Wahlsieger fühlen: Trotz des bundesweiten Umfragehochs und trotz der kompetenten Spitzenkandidatin war mehr als ein Viertel der Stimmen in Hamburg nicht drin. Nun dürfte auch in Berlin manchem dämmern: Ein munteres Führungsduo und Klimaängste allein führen nicht direkt ins Kanzleramt.

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