Meinung
Schumachers Woche

Als Adenauer das beleuchtete Strumpfstopfei erfand

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Hajo Schumacher
Abendblatt-Kolumnist Hajo Schumacher

Abendblatt-Kolumnist Hajo Schumacher

Foto: Reto Klar

Deutschland war mal Tüftlerland. Und heute? Da lassen wir uns das schnelle Internet von Chinesen bauen. Hallo, Bosch?

Ich verstehe nichts von Technik. Die komplexen Geräte bringt die Chefin zum Laufen, den Internet-Krempel machen die Kinder. Gleichwohl bin ich stolz auf unsere Techno-Nation. Man konnte ja früher auch stolz auf die Nationalelf sein, ohne kicken zu können.

Nehmen wir nur mal die Zeitung. Johannes Gutenberg erfand den Buchdruck und Friedrich Gottlob Keller das passende Papier. Oder Konrad Adenauer, der seinerzeit die CDU im Griff hatte wie heute nur Markus Söder. Der Altkanzler erfand ein batteriebetriebenes Strumpfstopfei mit Innenbeleuchtung und einen Toaster mit Sichtscheibe. Adenauers Sojawurst läge heute ganz vorn an der Wurstersatztheke, neben seinem elektrischen Insektentöter dagegen nur der infolge Stromschlags verstorbene Benutzer.

Deutschland-Erfinderland war so erfolgreich, dass wir Faxgerät, MP3-Format und die ganze Solarindustrie weggegeben haben, meist an den Chinesen, wie wir der Einfachheit halber 1,4 Milliarden Menschen zusammenfassen. Dieser Chinese nun hat Bauteile im Angebot, die wir unbedingt brauchen, um das neue, schnelle Internet an die Milchkannen zu kriegen.

Warum können wir nicht 5G?

5G heißt die Supertechnik, mit der wir uns noch schneller digital hassen können, während wir vergeblich auf das elektrobetriebene Flugtaxi warten.

Fachfrage: Warum kann nur der chinesische Hersteller Huawei diese 5G-Sendedinger bauen, die mit einer Standleitung nach Peking ausgestattet sein sollen? Hallo Tüftelstandort Baden-Württemberg, könnt ihr so ein Huawei-Dings bei Bosch nicht mal auseinandernehmen und nachbauen? Wobei dies kein Aufruf zum Kopieren ist, so was tun wir nicht, aber eine kreative Anregung.

Wäre unsere geliebte Bundesregierung vor lauter Vorsitzsucherei mal wieder mit Entscheiden beschäftigt, könnte sich der glücklose Wirtschaftsminister profilieren, indem er eine Million Euro auslobt für den Ingenieur, der möglichst schnell unsere eigene 5G-Komponente baut. Wahrscheinlich meldet sich schon nach zwei Wochen einer: der Chinese.

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