Meinung
Kommentar

Die Elbchaussee braucht Schutz

Matthias Popien ist Redakteur in der Lokalredation des Hamburger Abendblattes.

Matthias Popien ist Redakteur in der Lokalredation des Hamburger Abendblattes.

Foto: Birgit Schücking

Der Charakter des Hamburger Pracht-Boulevards muss bewahrt werden.

Hamburg. Milieuschutz für die Elbchaussee – es entbehrt auf den ersten Blick nicht einer gewissen Komik, was SPD und Grüne da planen. Braucht ein solches Milieu tatsächlich staatlichen Schutz? Nein, es geht hier nicht darum, wohlhabende Hamburger vor Gentrifizierung zu bewahren. Es geht darum, das Stadtbild zu bewahren.

Und da gehören die schnuckelige Steenkamp-Siedlung mit ihren Arbeiter-Reihenhäuschen und die Jarrestadt mit ihren mächtigen Wohnblöcken ebenso dazu wie die Elbchaussee. Typisch hamburgisch eben, geschaffen von Reedern und Kaufleuten, die sich dort Sommerhäuser gebaut haben – damals, als die Elbchaussee noch ein Privatweg war, für dessen Benutzung am Wochenende Maut verlangt wurde.

Wo Villen standen, sind jetzt Wohnkästen

Heute braust der Vorstadtverkehr durch die Straße. Auf manchen Grundstücken, einst für Villen erworben, stehen nun mehrere Häuser, vollgestopft mit Eigentumswohnungen. Stilsichere Altbauten sind schneeweißen, klinisch reinen und ebenso langweiligen Wohnkästen gewichen. Patina verschwindet, verdrängt von Herausgeputztem.

Ob die neue Erhaltungsverordnung das ändern wird, muss sich zeigen. Dem Gutachter dürfte es nicht leichtfallen, den wechselnden Charakter der Straße griffig zu beschreiben. Gut acht Kilometer Straße mit angrenzender Bebauung müssen erfasst werden.

Am Ende wird es an den Mitarbeitern der Bauverwaltung liegen, wie weit der Charakter der Straße erhalten bleibt. Altonas früherer Bauamtsleiter Reinhold Gütter klagte einst: „Viele Bauherren stimmen mit uns in der Erhaltung der Struktur der Elbchaussee überein. Doch wenn es an ihre Grundstücke geht, haben sie nur noch die Geschosszahl im Kopf.“