Meinung
Zwischenruf

Der neue Luxus: Haferflocken

Geneviève Wood

Geneviève Wood

Foto: Roland Magunia / HA

Ach, wie blöd sind die Verbraucher bloß? Da postet meine Kollegin ein Foto von einem Porridge, das stolze 4 Euro kosten soll. Wer um Himmels willen soll diesen überteuerten Quatsch denn kaufen? Ja sicher, die Verpackung mit den drei Bären ist ganz süß, und das Zeugs kommt gesund und lecker rüber, so wie die Werbestrategen sich das überlegt hatten in einem ihrer bestimmt sehr, sehr wichtigen Meetings. Da saßen sie, und dann sagte einer von ihnen zu den anderen: „Was passiert wohl, wenn wir 400 Gramm Haferflocken für 3,99 Euro verkaufen?“

Die anderen Strategen waren erschrocken und riefen laut: „Uahhaaa, also für einen Kilogrammpreis von 9,98 Euro?“ „Uff!“ Kurzes Innehalten in der Runde, alle schwiegen, die Anspannung war zum Greifen nah. Bis derjenige, der das Sagen hat, meinte: „Jungs, wir machen das!“ Und dann klopften sich die Herren (wir gehen mal von einer althergebrachten Männerrunde aus) auf die Schenkel und lachten diabolisch. Was für ein Marketing-Coup.

„Frech“, hatte ich unter das Insta-Foto des überteuerten Porridges geschrieben und mich ganz weit hinausgelehnt: „Schön doof, wer das kauft!“ Gestern ein Blick in unseren Küchenschrank. Ganz oben, fast vergessen und seit Monaten nicht angerührt, steht da doch tatsächlich eine Packung dieser
Luxus-Haferflocken. Damit wäre die Frage auch geklärt, wer um Himmels willen solch einen überteuerten Quatsch kauft. War bestimmt mein Mann ...