Meinung
Kommentar

Autos raus – das Motto 2020?

Es geht nicht nur um den Klimaschutz ...

Als Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank im vergangenen Jahr auszog, um Werbung für weniger Autos in der Innenstadt zu machen, hat sie mit allem gerechnet. Mit Wut, mit Protesten, mit Beschimpfungen – aber nicht damit, dass sie bei den meisten, mit denen sie über das Thema sprach, auf Verständnis stieß. Heute sprechen sich in Umfragen zwei Drittel aller Hamburger für eine autofreie City aus – und sind damit nicht allein. In vielen großen und kleineren Städten kämpfen Politiker und Aktivisten für weniger Verkehr in den Innenstädten. „Autos raus“ könnte eines der großen Mottos des Jahres werden.

Was auf den ersten Blick wie ein Erfolg der Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ wirkt, ist dabei viel mehr. Es geht nämlich nicht nur darum, die Schadstoffbelastungen in den Me­tropolen zu verringern und die Luft dort besser zu machen. Es geht auch darum, sobald wie möglich die nervenden Staus in den Stoßzeiten morgens und abends zu beenden. Der Verkehr ist für viele Menschen nicht nur wegen des Klimawandels das beherrschende Thema in ihrer Stadt, sondern auch, weil sie nicht so von A nach B kommen, wie sie es gern hätten. Das lässt sich nicht mit Autos ändern, die elektronisch oder mit Wasserstoff betrieben werden – und deren Umweltbilanz auch Schwächen hat. Das lässt sich nur ändern, wenn weniger Autos auf den Straßen unterwegs sind. Viel, viel weniger als bisher.

Weniger Autos würden dann auch weniger benötigte Parkplätze bedeuten. Die könnten zum Beispiel für den Bau von Wohnungen oder von Kinderspielplätzen oder Grünflächen genutzt werden, alles wird in großen Städten dringend gebraucht. Und die Straßen? Die werden zu Fußgängerzonen, die den Aufenthalt in der City zu einem ganz neuen Erlebnis machen. Ein erster Test unweit des Hamburger Rathauses war so erfolgreich, dass er in diesem Jahr fortgesetzt werden soll. Zu den größten Befürwortern gehörten übrigens ansässige Gastronomen und Einzelhändler: Die hatten nämlich zum Teil deutlich höhere Umsätze als in den Zeiten, in denen Autos durch ihre Straßen fuhren.

Will sagen: Autoarme Innenstädte lösen gleich mehrere Probleme, und deshalb findet man immer weniger Menschen, die dagegen sind. Selbst die Betreiber großer Kaufhäuser stellen sich darauf ein, dass Kunden bald nicht mehr in Autos kommen – und sie freuen sich sogar darauf. Denn in Zeiten, in denen viele Innenstädte unter der großen Konkurrenz von Onlinehändlern wie Amazon leiden, kann es nur gut sein, wenn das analoge Einkaufen wirklich wieder zu einem Vergnügen wird. So wird es kommen, in Hamburg, Hannover, Kiel und anderswo, ganz gleich, wer an der Regierung sitzt. Autofreie oder meinetwegen autoarme Innenstädte mögen vielleicht ursprünglich eine Idee der Grünen gewesen ein. Inzwischen sind sie fast politisches Allgemeingut, Interesse haben daran, in unterschiedlicher Ausprägung, längst die meisten Parteien, allein die FDP bezeichnet das Thema noch als populistisch. Wobei, wenn sie damit meinen, dass viele Leute sich aus unterschiedlichen Gründen weniger Autos in den Städten wünschen, dann haben die Liberalen recht.

Und ja, wer aus Autofahrern Bahnfahrer oder Fußgänger oder Radfahrer machen will, muss natürlich etwas dafür tun. Kurze Takte im öffentlichen Personennahverkehr und saubere Busse gehören genauso dazu wie ein einfaches Tarifsystem, großzügige Fahrradstraßen und breite Fußwege. Platz genug wäre in einer Innenstadt ohne Autos ja da …