Meinung
Zwischenruf

Klimaschutz: Ein Lob der Standhaftigkeit

Matthias Popien ist Redakteur in der Lokalredation des Hamburger Abendblattes.

Matthias Popien ist Redakteur in der Lokalredation des Hamburger Abendblattes.

Foto: Birgit Schücking

Doch leider werden die Autos, die die Hamburger kaufen, immer größer. Und sie sind in den vergangenen Jahren auch immer mehr geworden.

Die Hamburger werden immer klimabewusster. Sie wählen vornehmlich grün – zumindest bei der Europawahl, demnächst vielleicht ja auch bei der Bürgerschaftswahl. Sie gehen freitags demons­trieren, der „Future“ wegen. Sie essen weniger Fleisch und fahren öfter Fahrrad. Sie sind schon fast klimaneutral, oder? Das bisschen, was noch fehlt, bekommen sie bestimmt auch noch hin. Leider werden die Autos, die die Hamburger kaufen, immer größer. Und sie sind in den vergangenen Jahren auch immer mehr geworden. Man muss nicht übermäßig kritisch sein, um das für ganz schön schizophren zu halten.

Mobilität wird eindeutig überschätzt

Aber wie man sich in dieser Schizophrenie einrichten kann, ist jeden Tag vor meiner Haustür zu beobachten. Seit vielen Monaten steht dort ein größerer VW auf einem der wenigen Parkplätze, die es dort gibt. Morgens, mittags, abends, nachts. Und am nächsten Tag geht es von vorn los. Ungerührt, unbewegt. Ein Muster an Standhaftigkeit. Die Jahreszeiten kommen und gehen, der VW bleibt. Bloß keine Experimente, scheint sich der Fahrer zu denken. Hier steht der Wagen doch gut. Ziemlich unwahrscheinlich, dass er da in einen Unfall verwickelt wird. Das lästige Tanken entfällt. Null Abgase. Winterreifen? Überflüssig. Autowäsche? Unnötig.

Aber vielleicht sucht er auch nur seit Monaten nach einem guten Grund, um den raren Stellplatz freizumachen und eine Fahrt anzutreten – und findet ihn einfach nicht. Mit anderen Worten: Was könnte wichtiger sein als ein guter Parkplatz? Nichts. Offenbar wirklich nichts. Seit Monaten: Nichts. Mobilität wird eindeutig überschätzt.