Meinung
Zwischenruf

Warum einen teuren Kinderwagen kaufen?

Elisabeth Jessen ist stellvertretende Leiterin des Hamburg-Ressorts.

Elisabeth Jessen ist stellvertretende Leiterin des Hamburg-Ressorts.

Foto: Andreas Laible

Man muss nicht immer alles verstehen. Aber sich ab und an zu wundern, das müsse doch erlaubt sein, finden die Abendblatt-Leser Bärbel und Helmut. Die beiden sind ein rüstiges Ehepaar und sind gern mit Bus und Bahn unterwegs. Dabei sehen sie viel – und wundern sich regelmäßig. Warum tragen so viele junge Eltern ihre Kinder vor dem Bauch, und die Einkäufe schieben sie im Kinderwagen?, fragt sich das Paar. Da wäre es doch für die Großeltern viel preiswerter, einen Hackenporsche zu kaufen statt eines teuren Kinderwagens. Da ist was dran!

Und warum bleiben viele Mütter im Bus stehen und hüpfen mit ihrem Kind vor dem Bauch herum, obwohl das Baby ganz ruhig ist? Sich hinzusetzen wäre doch viel sicherer, meint Bärbel. Ich vermute eine Art vorauseilenden Gehorsams – Eltern stehen ja oft stramm, wenn es um die Bedürfnisse ihrer Kleinen geht. Und warum wird nie kontrolliert, ob Fahrgäste, die einen Platz mit ihren Taschen blockieren, auch eine Taschen-Fahrkarte gekauft haben? Okay, die gibt es nicht, aber genügend unverfrorene Passagiere, die stur aufs Handy starren und sich nicht drum kümmern, dass andere dafür stehen müssen.

Ja, das sind Fragen, die ich mir auch schon oft gestellt habe, aber nie jemanden zu fragen wagte. Bärbel und Helmut haben immerhin mal eine Mutter angesprochen, warum sie ihr Baby schleppe, statt Kind und Einkäufe in der Karre zu schieben. „In Afrika tragen die Frauen auch ihre Kinder vor dem Bauch“, war die Antwort. Mag sein, aber dort gibt es üblicherweise auch keine sauteuren Kinderwagen. Bärbel und Helmut haben dann auch nicht mehr weitergefragt.