Meinung
Kommentar

E-Scooter – Das Projekt ist schon gescheitert

Stephan Steinlein
Der Autor ist stellvertretender Chefredakteur des Abendblatts

Der Autor ist stellvertretender Chefredakteur des Abendblatts

Foto: Mark Sandten / HA

Viele Verletzte, ökologischer Unsinn, Verschandelung des Straßenbildes: Die elektrisch angetriebenen Roller gehören abgeschafft.

Wer hätte das gedacht? Ausgerechnet unter den Hamburger Anhängern der Partei, die wie keine andere für Recht, Ordnung und Sicherheit eintritt, ist der Anteil derer, die den E-Rollern etwas Positives abgewinnen können, noch am größten: Jeder dritte AfD-Anhänger in Hamburg spricht sich in der großen Abendblatt-Umfrage zum Zustand der Stadt gegen ein Verbot der E-Scooter aus.

Dass das Experiment mit elektrisch angetriebenen Rollern gescheitert ist – daran hat die große Mehrheit der Hamburger hingegen keinen Zweifel. Eindeutige 62 Prozent aller Befragten sprechen sich für ein Verbot aus. Selbst in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen, die man zuvorderst auf den Gefährten sieht, ist mehr als die Hälfte dafür, E-Roller in Hamburg zu verbieten.

E-Scooter: "Elektroschrott auf zwei Minirädern"

Selten ist ein Projekt so sang- und klanglos gefloppt wie dieses – nur dass den politisch Verantwortlichen offensichtlich der Mut fehlt, ihren Fehler einzugestehen und den Rückwärtsgang einzulegen.

Die Bilanz ist verheerend: Die Produktion der Gefährte mit geringer Halbwertzeit ist ökologischer Unfug – vom „Elektroschrott auf zwei Minirädern“ ist längst die Rede. Dass die abgestellten (besser: hingeworfenen) Roller die Stadt verschandeln, ist auch kein Argument, an ihnen festzuhalten. Alleine 73 Verletzte mit zum Teil schweren Kopfverletzungen in nur einer Klinik – der nächste Grund für ein Verbot. Dass der Verleih der tatsächlich ökologischen Stadträder zurückgeht – ein weiteres Argument gegen den Modetrend Roller.

Die Art, wie wir uns in der Stadt bewegen, muss sich wandeln. Dass ein besserer Nahverkehr, sichere Radwege und moderne Mobilitätskonzepte wie Moia nötig sind, wird von immer mehr Hamburgern anerkannt. Aber gefährliches Spielzeug wie diese E-Roller braucht trotzdem niemand.

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